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Die Bekanntmachung des Landratsamtes Aschaffenburgs über die Inzidenzeinstufung für die kommende Woche vom 19.04.2021 bis 25.04.2021 und die sich daraus für Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen ergebenden Bestimmungen nach der Zwölften Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (12. BayIfSMV) zur Kenntnis.

Amtliche Bekanntmachung Lkr AB Inzidenzwert 16 04 2021

112 Newsletter vom 15. April 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

beginnen möchte ich auch heute mit den aktuellen pandemischen Kerndaten. Im Unterschied zum Zahlenmaterial der Vorwoche, das feiertags- und ferienbedingten Verzerrungen unterlag, wächst dieser Effekt aus den Daten dieser Woche zusehends heraus. Im Lichte dessen verzeichnen wir heute, Donnerstag, 15. April, 08:00 Uhr, in Bayern insgesamt 542.439 bestätigte Covid-19-Infektionen. Im Vergleich zum Donnerstag der letzten Woche, bis zu dem 517.517 Infektionen gezählt worden waren, sind dies 24.922 mehr. Für die zurückliegenden sieben Tage ergibt sich daraus ein rechnerischer Schnitt von 3.560 Neuinfektionen. Für die vorangegangenen Wochen lagen die Vergleichswerte bei 2.492, 2.664, 2.305, 1.888, 1.496, 1.320, 1.104, 1.093, 1.263, 1.646, 1.909, 2.366, 3.265, 3.143, 3.203, 3.912, 4.172, 3.638, 3.475, 3.606, 3.432, 3.597, 2.918, 2.153, 1.243, 652 bzw. 372. Dies zeigt die enorme Infektionsdynamik, die sich gerade wieder einstellt und in mindestens gleicher Weise auch das Bundeslagebild prägt. Dieses wies in der vergangenen Woche im Schnitt 20.370 Neuinfektionen pro Tag aus. Nach der „Osterdelle“ von 13.946 letzte Woche ist dies eine Größenordnung, die wir zuletzt vor 11 Wochen verzeichnen mussten, wie die Zeitreihe zeigt (16.566, 14.416, 11.332, 8.715, 8.189, 7.725, 7.220, 8.290, 10.450, 12.900, 15.700 und 21.000). Dieser Befund wird bestätigt, wenn man den Ostereffekt „überbrückt“ und jeweils wochentaggleich für Bayern und Bund die Werte einer 14-Tage-Betrachtung unterzieht. Beginnend am vergangenen Sonntag war bis heute der aktuelle Tageswert jeweils deutlich höher als zwei Wochen davor, in Bayern bis zu 2.046 und im Bund bis zu 5.126.

Nun zum Ländervergleich. Bayern liegt auch heute mit einer 7-Tage-Inzidenz von 178 – nach 119, 142, 114, 96, 77, 68, 58, 55 an den vorangegangenen Donnerstagen – auf Platz 4 des Negativ-Rankings. Insgesamt 15 Länder verzeichnen nun eine 7-Tage-Inzidenz über 100. Den höchsten Wert muss weiterhin Thüringen mit deutlich verschlechterten 259 hinnehmen, den günstigsten verbucht wieder Schleswig-Holstein mit 77 (63). Der Durchschnittswert aller Bundesländer liegt heute bei 160, nach 106, 134, 113 und 90 in den Vorwochen.

Die Positivrate – also die Zahl der laborpositiven PCR-Tests im Verhältnis zu deren Gesamtzahl – als ein weiteres Kernelement der Lagebeurteilung lag in Bayern in den zurückliegenden Tagen zwischen 5,0 und 6,9 Prozent (Vorwoche: 5,0 und 6,3) bei einem 7-Tage-Mittel von 5,71 und ist damit neuerlich gestiegen. Bundesweit gesehen liegt die Positivrate übrigens bei über 11 Prozent. Dies ist Ausfluss dessen, dass in keinem Bundesland auch nur annähernd so intensiv mit PCR-Tests gearbeitet wird, wie das in Bayern der Fall ist. Zum Testgeschehen in Bayern gleich noch mehr im zweiten Teil dieses Newsletters.

Ich darf zunächst zum Blick in die bayerischen Regionen kommen. Der Blick auf eine nach Landkreisen und kreisfreien Städten gegliederte Bayern-Karte, in der die jeweiligen Infektionsbelastungen nach der 7-Tage-Inzidenz farblich dargestellt sind, lässt einen für Bayern sprichwörtlich „rot“ sehen, denn aktuell weist kein einziger Landkreis und keine kreisfreie Stadt mehr eine 7-Tage-Inzidenz unter 50 aus, die in einer freundlicheren Farbe darzustellen wäre. Stand heute ist für die Stadt Hof ein Wert von 567 zu verzeichnen und für den sie umschließenden Landkreis Hof sieht es leider mit einer 7-Tage-Inzidenz von 475 nicht viel besser aus. Im Segment zwischen 400 und 300 finden sich mit Dingolfing-Landau, Mühldorf am Inn, Kronach und Deggendorf vier weitere Landkreise, die auch im bundeweiten Vergleich sehr stark mit Neuinfektionen belastet sind. Im Fenster mit Werten zwischen 300 und 200 reihen sich
26 Gebietskörperschaften ein und in einem Korridor mit Werten zwischen 200 und 100 weitere
59 Landkreise und kreisfreie Städte. Damit bleibt in dem Bereich unter 100, der gerade den Handel noch einigermaßen frei agieren lässt, kaum mehr ein Anwendungsbereich übrig. Allein fünf Gebietskörperschaften unterschreiten heute die magische Grenze, wobei der Landkreis Tirschenreuth mit 76,3 bayernweit am günstigsten liegt. Das ist auch eines der Mirakel dieser Pandemie, das ich mir nicht so recht erklären kann, warum der letztes Jahr extrem gebeutelte Landkreis Tirschenreuth heute den besten Wert in ganz Bayern hat, während es in seiner unmittelbaren tschechischen, oberfränkischen und oberpfälzischen Nachbarschaft zum Teil geradezu brodelt. Möglicherweise liegt dies an einer deutlich überdurchschnittlichen Impfquote, vielleicht an einer deutlich größeren Immunität der Bevölkerung nach dem katastrophalen Geschehen des letzten Jahres. Vielleicht sind die Menschen in Tirschenreuth in Anbetracht ihrer besonders schmerzlichen Erfahrungen der Vergangenheit jetzt aber auch besonders diszipliniert. Vielleicht ist es eine Mischung aus allen Gesichtspunkten. Hoffentlich haben wir bald mehr Tirschenreuths in Bayern.

In Bayern sind an oder mit einer Corona-Infektion mittlerweile 13.658 Personen verstorben. Das sind im Vergleich zum vorigen Donnerstag 241 (157) oder pro Tag ca. 34,4 Fälle mehr, nach 24,4, 25,9, 24,0, 26,9, 39,1, 42,0, 73,7, 82,6, 111,7, 117,9, 125,1, 134,4 bzw. 107,7 in den Wochen davor. Diese Werte sind zum Glück weit von dem entfernt, was wir um den Jahreswechsel hinnehmen mussten. Der Anstieg auf einen Wert, der um mehr als 10 Corona-bezogene Sterbefälle pro Tag über dem liegt, was vor Ostern galt, kann aber auch nicht wirklich Anlass zur Entwarnung geben. Aber immerhin verläuft zum Glück die Kurve der steigenden Sterbefallzahlen wesentlich flacher als die der Neuinfektionen und ich bin angesichts der enorm leistungsfähigen Klinikmedizin in Deutschland sehr hoffnungsfroh, dass das so bleibt.

Angespannt, aber stabil ist auch in dieser Woche die Corona-Lage in den bayerischen Kliniken. Die Gesamtzahl der hospitalisierten Corona-Patientinnen und -Patienten pendelt weiterhin in einem engen Korridor um die Marke von 3.000, heute bei 2.979. Entsprechend spiegelbildlich sieht es auf den Intensivstationen aus, für die der statistische Ankerpunkt momentan bei 800 Patienten liegt. Heute sind es genau 790 schwer Kranke, die wegen Corona auf „Intensiv“ liegen. In diesem System ist Gott sei Dank nach wie vor so viel Luft, dass Freiraum für grenzüberschreitende Solidarität bleibt. So hat gerade heute Thüringen angesichts völlig überlasteter Kapazitäten um die Übernahme von fünf Intensivpatienten gebeten. Dem ist Bayern nachgekommen, drei der Thüringer Patienten kommen in nordbayerische Kliniken, zwei nach Südbayern.

Interessant finde ich Berichte über die Beobachtung eines leitenden Intensivmediziners des Uniklinikums München-Großhadern, wonach das Durchschnittsalter der intensivpflichtigen COVID-Patienten weiter sinkt und Angehörige einfacher sozialer Schichten überproportional betroffen sind. Theoretisch sind viele Ursachen denkbar, etwa eine geringere Rate beim Homeoffice in weniger gut bezahlten Berufen, in vergleichsweise beengte(re)n Wohnverhältnissen oder in einem gruppenbezogen geringeren Problembewusstsein. Alles Gründe, die das individuelle Infektionsrisiko steigern können. Es wäre sicherlich eine genauere Untersuchung wert, wo dieser Befund herrühren könnte, denn darin könnte womöglich der Schlüssel für eine zielgenauere Prävention liegen.

Liebe Leserinnen und Leser, angesichts der bundesweiten Entwicklungen bei den Neuinfektionen und auf den Intensivstationen und einem teils sehr unterschiedlichen Vollzug dessen, was die Ministerpräsidentenkonferenz mit der Bundeskanzlerin zum Vollzug der sog. „Notbremse“ vereinbart hatte, ist nun der Bund auf den Plan getreten und erarbeitet aktuell eine Ergänzung des Bundesinfektionsschutzgesetzes. Diese Novelle sieht im Kern vor, dass kraft (Bundes-)Gesetzes für Landkreise oder kreisfreie Städte automatisch bestimmte Beschränkungen eintreten, wenn nach den vom RKI für die jeweilige Gebietskörperschaft festgestellten Infektionszahlen bestimmte Grenzwerte mit einer gewissen Stabilität überschritten sind. Den zentralen Grenzwert, die sog. „Bundes-Notbremse“, wird aller Voraussicht nach eine 7-Tage-Inzidenz von 100 bilden. Die Bundesregierung hat einen entsprechenden Gesetzentwurf am Dienstag beschlossen, der Bundestag wird hierüber am morgigen Freitag beraten, sodann ist der Bundesrat als sog. Länderkammer am Zug. Nach der schon zu Bonner Zeiten geprägten und auch in Berlin geltenden Binsenweisheit, dass kein Gesetz aus dem Bundestag herausgeht, wie es als Entwurf hineingegangen ist, will ich an dieser Stelle noch nicht vertieft Detailregelungen ausführen, darüber wird dann nächste Woche zu reden sein, sondern es bei ein paar grundsätzlichen Anmerkungen belassen. Die Bundesregierung hat die Inhalte des Gesetzentwurfes so gefasst, dass es sich um ein sog. „Einspruchsgesetz“ handelt, was im Übrigen nach den verfassungsrechtlichen Bestimmungen den Regelfall darstellt. „Einspruchsgesetz“ bedeutet im Ergebnis, dass das Gesetz auch ohne Zustimmung des Bundesrates in Kraft treten kann. Allerdings hat der Bundesrat in mehreren Eskalationsstufen die Möglichkeit, sich einzubringen. In der ersten Stufe entscheidet der Bundesrat mit Mehrheit, ob er ein Vermittlungsverfahren verlangt. Ist dies nicht der Fall, kann der Bundespräsident das Gesetz zeitnah ausfertigen und es tritt nach der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt umgehend in Kraft.

Derzeit zeichnet sich folgender Zeitplan ab: Der Bundestag wird den Gesetzentwurf der Bundesregierung bereits morgen, Freitag, in erster Lesung behandeln und an den federführenden Gesundheitsausschuss überweisen, der bereits morgen eine Expertenanhörung durchführen wird. Am Montag befassen sich die mitberatenden Ausschüsse des Bundestages mit dem dann vorliegenden Beratungsstand und auch der federführende Gesundheitsausschuss wird noch einmal tagen, um im Lichte aller Voten eine Beschlussempfehlung abzugeben. Am Mittwoch, den 21. April soll in 2. und 3. Lesung die abschließende Plenarbefassung erfolgen und der Beschluss des Bundestages dem Bundesrat zugeleitet werden. Dieser wird sich noch am selben Tag in einer Sondersitzung mit dem Gesetzesvorhaben befassen. Dann wird sich zeigen, ob die Länderkammer das vom Bundestag beschlossene Gesetz passieren lässt oder Einspruch erhebt. Wenn es zu keinen Verzögerungen kommt, dann ist der 26. April ein realistisches Datum für das Inkrafttreten der neuen Regelungen.

Bleibt zu klären, in welchem Verhältnis die neuen Vorschriften des geänderten Bundesinfektionsschutzgesetzes und die Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, derzeit die 12., zueinander stehen werden. Klar ist, dass die Landesregelungen die Bundesregelungen in ihrer Wirkrichtung nicht unterlaufen dürfen. Deshalb werden die Landesverordnungsgeber ggf. konfligierende Vorschriften umgehend anpassen, so das Bundesgesetz nicht ohnehin Vorrang hat. Die bundesgesetzlichen Regelungen sind als Mindeststandards zu verstehen und sind so angelegt, dass strengere landesrechtliche Vorschriften möglich bleiben.

Mit Blick auf die bayerische Regelungslage hat der Ministerrat am Dienstag zunächst beschlossen, die 12. BayIfSMV sowie die Einreisequarantäneverordnung (EQV) bis einschließlich 9. Mai 2021 zu verlängern. Zudem wird das zuständige Gesundheitsministerium auf Beschluss des Ministerrates demnächst die 12. BayIfSMV punktuell ändern. Hierbei wird klargestellt, dass Schulkinder an Angeboten der Tagesbetreuung nur dann teilnehmen dürfen, wenn sie sich entsprechend der für den Präsenzunterricht geltenden Vorgaben mindestens zweimal wöchentlich einem Corona-Test unterziehen.

Handlungsbedarf bestand auch im Hinblick auf die Durchführung von Versammlungen in geschlossenen Räumen, nachdem der Bayerische Verwaltungsgerichtshof die bisherige Vorschrift, die eine generelle Höchstgrenze von 100 Versammlungsteilnehmern vorsah, außer Vollzug gesetzt hat. Künftig wird sich die zulässige Teilnehmerzahl – analog der Regelung für Gottesdienste – nach der Zahl der vorhandenen Plätze richten. Diese ergibt sich aus der Maßgabe, dass zwischen den in nächster Nähe zueinander befindlichen Versammlungsteilnehmern in jede Richtung ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten sein muss.

Und schließlich erhalten die Kreisverwaltungsbehörden die Befugnis, ab einer Inzidenz größer 200 anzuordnen, dass Beschäftigte bestimmter Betriebe und Einrichtungen nur dann in Präsenz am Arbeitsplatz eingesetzt werden dürfen, wenn sie über ein aktuelles negatives Corona-Testergebnis verfügen. Die Befugnis wird als „Kann-Vorschrift“ ausgestaltet werden.

Liebe Leserinnen und Leser, nach der doch recht tristen Beschreibung der Infektionslage möchte ich mich deutlich positiver besetzten und im Ergebnis Hoffnung gebenden Materien zuwenden, dem Testen und dem Impfen. Testen kann zwar die Corona-Viren nicht abwehren, es hilft aber, bestehende Infektionen zu erkennen und auf diese Weise weitere Ansteckungsfälle zu vermeiden. Zudem eröffnet qualitativ hochwertiges Testen in vielen Bereichen die Möglichkeit, Ausnahmen von Beschränkungen zuzulassen, so etwa nach der 12. BayIfSMV den Einkauf über „Click & Meet“ in Gebieten mit einer 7-Tage-Inzidenz zwischen 100 und 200. Testen ist aber auch ein Kernelement, um einen ausreichend sicheren Schul- und Kita-Betrieb in Präsenz sicherzustellen, wo immer dies nach den Inzidenzen möglich ist. Und gerade der symptomunabhängige Bürgertest verleiht vielen latent besorgten Menschen ein besseres Gefühl, weil sie dann wissen, jedenfalls zum Zeitpunkt des Tests höchstwahrscheinlich nicht ansteckend und damit keine Gefahr für die Gesundheit eines nahen Angehörigen zu sein, den man z.B. besuchen oder dem man bei Besorgungen behilflich sein will. Testen kann deshalb auch in diesen aufgewühlten Zeiten einen wichtigen Beitrag für etwas mehr Lebensqualität leisten.

Trotz all dieser positiven Effekte schafft es das Testgeschehen meist nur im Kontext von Befürchtungen, vermeintlichen oder im Einzelfall auch mal tatsächlich bestehenden Unzulänglichkeiten in die Schlagzeilen. Das ist aber weder sachlich richtig, noch wird es der Leistung derer gerecht, die mit enormer Innovationskraft mittlerweile eine hoch leistungsfähige Maschinerie ins Werk gesetzt haben, deren Eckdaten einen staunen lassen und die vor einem Jahr niemand für möglich gehalten hätte. Was würden Sie antworten, wenn ich Sie frage, wie viele PCR-Tests mittlerweile in Bayern seit Beginn der Pandemie durchgeführt wurden? Die Antwort lautet achtzehnmillionenachthundertsechsundvierzigtausendeinhunderteinundzwanzig (18.846.121), eine wahrlich beeindruckende Zahl. Die Proben hierfür wurden und werden insbesondere in kommunalen Testzentren der Landkreise und kreisfreien Städte genommen, aber auch in Praxen niedergelassener Ärztinnen und Ärzte sowie in privat betriebenen Testzentren. Die Zahl ist umso eindrucksvoller, wenn man bedenkt, dass der PCR-Test, bei dem die Analyse in einem Labor durchgeführt wird und der hierbei auf das Erbgut eventuell in der Probe vorhandener Viren zielt, das technisch mit Abstand aufwändigste Testverfahren ist und gleichsam den „Goldstandard“ mit einer Genauigkeit von nahezu 100 Prozent bildet. Die Fehlertoleranz liegt irgendwo bei der dritten Stelle hinter dem Komma. An Spitzentagen hatten wir jüngst nahezu 100.000 PCR-Tests pro Tag verzeichnet, das 7-Tage-Mittel bewegte sich in den letzten Wochen um die Marke von 60.000 bis 65.000 PCR-Tests.

Des Weiteren kommen Antigen-Schnelltests zum Einsatz. Auch hier werden wie bei den PCR-Tests die Proben durch entsprechend medizinisch geschultes Personal genommen, dann aber nicht durch ein zertifiziertes Labor untersucht, sondern vor Ort mit Reagenzien versetzt, die regelmäßig binnen 15 bis 20 Minuten ein Ergebnis bringen. Von diesen hat die Staatsregierung ca. 53 Millionen Stück beschafft oder sich eine Option gesichert und bereits ca. 20,7 Millionen an die Kreisverwaltungsbehörden verteilt.

Die dritte Kategorie bilden die sog. Selbsttests u.a. für Schulen und Kitas. Bei den Selbsttests streicht der Proband selbst den vorderen Bereich des Naseninnenraumes ab, auch bei diesen wird die Probe mit einem Reagenz versetzt, das dann in kürzester Zeit das Testergebnis anzeigt. Diese vom Volksmund flapsig als „Nasenbohrertests“ bezeichneten Testsets sind so einfach zu handhaben, dass unter entsprechender Anleitung selbst Grundschüler damit zurechtkommen und so die Schul- (und Kita-)familie für die in Präsenz anwesenden Kinder, Lehrkräfte und das Betreuungspersonal die notwendige Sicherheit schaffen, um durch mehrmalige Tests pro Woche einen geordneten Betrieb zu gewährleisten, wobei ein eventuell positives Schnell- bzw. Selbsttestergebnis umgehend durch einen PCR-Test evaluiert wird. Was hat es da alles für Befürchtungen gerade in der Lehrerschaft gegeben! Heute nach vier Tagen Praxisbetrieb berichtet das Kultusministerium, dass die bayerischen Schulen über keinerlei Durchführungsprobleme berichten und sich die Zahl der Testverweigerer regional unterschiedlich, aber überall in sehr engen Grenzen hält.

Von den Selbsttests hat sich das Gesundheitsministerium ca. 85,5 Millionen Stück gesichert, die seit März laufend bis Ende Juli ausgeliefert werden. Allein für diese Woche sprechen wir hier von rund 2,3 Millionen Stück.

Diese Dimensionen machen die enorme logistische Leistung deutlich, die hinter solchen Massentestungen von der Beschaffung bis zur Benachrichtigung des Probanden steht. Ich darf zunächst all denen ganz besonders danken, die die enormen Mengen an Testmaterialien beschaffen und diese den in ganz Bayern befindlichen Bedarfsträgern zuteilen. Denn was so banal klingt, „halt mal ausreichend Testkits zu den Schulen, Kitas oder Behörden zu bringen, zumal das doch nicht so schwer sein kann“, ist tatsächlich eine enorm herausfordernde Aufgabe. Von leicht entflammbaren Animositäten ganz zu schweigen, warum „die einen“ vermeintlich so viel mehr bekommen „als die anderen“. Ein ganz großer Dank geht darum in Richtung des Gesundheitsministeriums und des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Nicht minder zu danken ist dem THW, das mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks je nach Transportgut die jeweiligen Chargen teilweise mehrfach pro Woche zu den sieben Bezirksregierungen und/oder den 96 Kreisverwaltungsbehörden transportiert. Diese wiederum fungieren für die zahlreichen Bedarfsträger wie etwa Schulen und Behörden als „Auslieferungslager“, wo diese die ihnen zustehenden Waren übernehmen können. Das alles bindet erhebliche Ressourcen der Landratsämter, kreisfreien Städte und Regierungen und ist dabei von zentraler Bedeutung für das Funktionieren der Schlüsselthematik „Testen“. Gerade weil das alles mit erheblichen Zusatzbelastungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einhergeht, ist deren Einsatz gar nicht hoch genug einzuschätzen. Und auch wenn diese nicht unmittelbar zuständig sind, so begleiten auch die Kommunen und deren Spitzenverbände das Geschehen sehr wohlwollend und konstruktiv, wofür ich ein herzliches Vergelt`s Gott sage.

Thema Impfen. Auch wenn leider immer wieder Stolpersteine in den Weg rollen wie die Debatten um AstraZeneca oder jüngst die Verschiebung der Auslieferung des Impfstoffes von Johnson & Johnson, so geht es doch mit Macht vorwärts, wie auch an dieser Stelle die Zahlen des Gesundheitsministeriums belegen. Demnach sind, Stand heute, in Bayern ca. 3.113.000 Impfungen verabreicht, davon ca. 2.242.000 als Erstimpfungen, was knapp 17 Prozent der Bevölkerung entspricht. Gestern war wieder „Rekordtag“. Mit fast 123.000 Impfungen, die allein am Mittwoch jeweils etwa zur Hälfte in den Impfzentren sowie den teilnehmenden Arztpraxen verabreicht wurden, konnte die bisherige Bestmarke von ca. 110.000 Impfungen deutlich übertroffen werden. Ein weiterer Indikator für den Impffortschritt ist das zusehends sinkende Alter derer, die einen Impftermin bekommen. Je nach Impfzentrum liegt dies zwischen 74 und 67 Lebensjahren. Damit verlassen wir langsam die Prioritätsstufe 2, die vom hohen Alter her gesehen beim 70. Lebensjahr endet und treten routinemäßig in die Priorität 3 ein. Mein Eindruck ist, dass dieser Fortschritt die vormals vorherrschende Aufgeregtheit „wann komm ich endlich dran, ich habe mich doch schon vor sechs Wochen registriert“ zusehends dämpft und diese einem souveräneren Umgang mit der Thematik weicht.

Natürlich haben wir bis zu einer infektiologisch entscheidenden Quote von ca. 70 Prozent noch eine ordentliche Wegstrecke zurückzulegen, aber mit jedem Tag sind es zwischen 70.000 und über 100.000 Menschen mehr, die einen Grundimpfschutz erhalten haben. Zu diesen gehöre seit vergangenen Freitag auch ich, nachdem in der Altersgruppe Ü60 bei AstraZeneca die Priorisierung aufgehoben und nach den Beratungen im Ministerrat letzte Woche ausdrücklich gewünscht wurde, dass auch Kabinettmitglieder dieser Altersgruppe mit gutem Beispiel vorangehen. Auch Staatssekretär Eck und der Amtschef des Innenministeriums, die beide Ü60 sind, haben bereits ihre Dosis AstraZeneca erhalten. Und in Absprache mit der Landtagspräsidentin bieten wir aktuell allen Landtagsabgeordneten Ü60 und den entsprechenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Parlaments an, sich in einer der vom polizeiärztlichen Dienst betriebenen Impfstellen mit AstraZeneca immunisieren zu lassen. Denn gerade in dieser schwierigen Zeit ist es wichtig, dass der Landtag als Ort der demokratischen Kontrolle und parlamentarischer Debatte zu jeder Zeit handlungsfähig bleibt.

Viel Sticheln kann auch mal beruhigend wirken!

Mit besten Grüßen
Ihr


Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister

112 Newsletter vom 8. April 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

beginnen möchte ich auch heute mit den wesentlichen Kerndaten der aktuellen Pandemielage, muss aber gleich darauf hinweisen, dass die Zahlen zu den Neuinfektionen feiertagsbedingt mit gewisser Vorsicht zu genießen sind. Denn augenscheinlich haben sich im Vergleich zu „normalen“ Wochenenden an dem durch zwei Feiertage verlängerten Osterwochenende deutlich weniger Menschen testen lassen. Zudem haben diverse Gesundheitsämter und auch Labore in dieser Zeit nur einen Notbetrieb aufrechterhalten, was dazu führt, dass verschiedentlich die Analyseergebnisse und deren statistische Erfassung mit zeitlicher Verzögerung vorgenommen werden. Das alles hat natürlich einen erheblichen verzerrenden Einfluss auf das Zahlen- und Datenmaterial, mit dem wir bereits Weihnachten zu tun hatten. Im Lichte dessen verzeichnen wir heute, Donnerstag, 8. April, 08:00 Uhr, in Bayern insgesamt 517.517 bestätigte Covid-19-Infektionen. Im Vergleich zum Donnerstag der letzten Woche, bis zu dem 500.077 Infektionen gezählt worden waren, sind dies 17.440 mehr. Für die zurückliegenden sieben Tage ergibt sich daraus ein rechnerischer Schnitt von 2.492 Neuinfektionen. Für die vorangegangenen Wochen lagen die Vergleichswerte bei 2.664 2.305, 1.888, 1.496, 1.320 1.104, 1.093, 1.263, 1.646, 1.909, 2.366, 3.265, 3.143, 3.203, 3.912, 4.172, 3.638, 3.475, 3.606, 3.432, 3.597, 2.918, 2.153, 1.243, 652 bzw. 372. Dies sieht auf den ersten Blick nach einem Rückgang oder womöglich sogar einer Trendumkehr aus, darf aber aus den eingangs beschriebenen Gründen nicht so interpretiert werden. Klarheit wird erst die Entwicklung der nächsten Tage bringen, aber bis dahin müssen wir schon aus Gründen der Vorsicht davon ausgehen, dass das exponentielle Wachstum der dritten Welle noch nicht gebrochen ist. Das gilt in gleicher Weise auch für das Bundeslagebild. Dieses wies in der vergangenen Woche im Schnitt „nur“ 13.946 Neuinfektionen pro Tag aus, nach 16.566, 14.416, 11.332, 8.715, 8.189, 7.725, 7.220, 8.290, 10.450, 12.900, 15.700 und 21.000 in den Vorwochen. Damit wären über Ostern von einer Woche auf die andere die Neuinfektionen um mehr als zweieinhalbtausend pro Tag zurückgegangen. Das scheint mir nicht realistisch, deshalb gilt auch hier die Devise „Vorsicht vor voreiligen Schlussfolgerungen“.

Nun zum Ländervergleich. Bayern liegt heute auf Platz 4 (Vorwochen 5 und 8) des Negativ-Rankings und hat sich damit mit einer 7-Tage-Inzidenz von 119 – nach 142, 114, 96, 77, 68, 58, 55 – um einen weiteren Platz verschlechtert. Insgesamt 11 Länder verzeichnen nun eine 7-Tage-Inzidenz über 100. Den höchsten Wert muss weiterhin Thüringen mit 181 (254) hinnehmen, den günstigsten verbucht wieder Schleswig-Holstein mit 63 (75). Der Durchschnittswert aller Bundesländer liegt heute bei 106, nach 134, 113 und 90 in den Vorwochen. Und auch hier gilt wieder, dass die Gefahr groß ist, wonach die Zahlen feiertagsbedingt besser scheinen, als es die Lage tatsächlich ist.

Darauf deutet ein anderer Parameter hin, nämlich die Positivrate, also die Zahl der laborpositiven Tests im Verhältnis zu deren Gesamtzahl. Dieses Kernelement der Lagebeurteilung lag in Bayern in den zurückliegenden Tagen zwischen 5,0 und 6,3 Prozent (Vorwoche: 4,0 und 5,3) und ist damit deutlich gestiegen. Das mag zum Teil in einer wesentlich geringeren Zahl an Tests begründet liegen, zeigt aber doch auch sehr deutlich, dass das Virus im Lande sehr präsent ist. Das gilt vor allem für die britische Mutation B.1.1.7., die deutlich ansteckender ist als der ursprüngliche Wildtyp oder andere Varianten wie etwa die südafrikanische B.1.351 und nach aktuellen Erhebungen nunmehr in über 90 Prozent der positiven PCR-Tests nachgewiesen wird. Dieser Typ hat somit nahezu alle anderen Arten verdrängt und für ungünstig klare Verhältnisse gesorgt, jedenfalls so lange, wie er nicht selbst einer noch ansteckenderen Mutation weichen muss. Dazu später mehr.

Ich darf nun zum Blick in die bayerischen Regionen kommen, der statistisch gesehen naturgemäß ebenfalls von der feiertagsbedingt geringeren Test- und Labortätigkeit geprägt ist. Deshalb kommt es mir heute auch nicht so sehr auf die letzte Stelle hinter dem Komma einer 7-Tage-Inzidenz an, sondern vor allem auf eine qualitative Betrachtung. Blickt man auf eine nach Landkreisen und kreisfreien Städten gegliederte Bayern-Karte, in der die jeweiligen Infektionsbelastungen nach der 7-Tage-Inzidenz farblich dargestellt sind, dann fällt zunächst auf, dass sich über alle Regierungsbezirke hinweg eine gewisse Angleichung der schwierigen Lage einzustellen scheint. Waren in der Vergangenheit immer wieder einzelne Regionen generell besser dagestanden oder hatten sich auch innerhalb eines großen, stark belasteten Gebietes immer wieder Einsprengsel mit günstigeren Werten etablieren können, so findet sich nun ein von Ost nach West quer durch Bayern verlaufender, geradezu monolithisch wirkender Block, der tiefrot oder gar violett gefärbt ist. Dieser bildet die Gebietskörperschaften mit einer 7-Tage-Inzidenz von mindestens 100 ab. Das sind heute 63 von 96 Landkreisen bzw. kreisfreien Städten und somit zehn weniger als vor einer Woche, aber auch diese Verbesserung ist aus den bereits genannten Gründen mit großer Vorsicht zu genießen.

Nach wie vor die größten Probleme haben im Wesentlichen die bereits in den letzten Wochen besonders gebeutelten Regionen. So die Stadt Hof mit einer 7-Tage-Inzidenz von 430, gefolgt vom Landkreis Kronach mit 366 und dem Landkreis Hof mit 337, die mit diesen Werten leider nicht nur die bayerische, sondern auch die bundesweite Negativrangliste anführen. Im Segment mit 7-Tagesinzidenzen zwischen 200 und 300 liegen vier weitere Gebietskörperschaften. Die große Mehrheit, nämlich 56, reihen sich mit Werten zwischen 100 und 200 ein und stehen damit, soweit dieser Wert mehr als drei Tage hintereinander überschritten bleibt, vor der Aufgabe, mit diversen Einschränkungen des öffentlichen Lebens einschließlich einer nächtlichen Ausgangssperre von 22:00 Uhr bis 05:00 Uhr die Lage schnellstmöglich zu beruhigen. Unter 100, aber über 50 liegen jetzt 33 (Vorwoche 23 nach 37) Gebietskörperschaften und das Segment unter 50 besetzt heute allein die Stadt Aschaffenburg mit einer 7-Tage-Inzidenz von 45,1.

In Bayern sind an oder mit einer Corona-Infektion mittlerweile 13.417 Personen verstorben. Das sind im Vergleich zum vorigen Donnerstag 157 (171) oder pro Tag ca. 22,4 Fälle mehr, nach 24,4, 25,9, 24,0, 26,9, 39,1, 42,0, 73,7, 82,6, 111,7, 117,9, 125,1, 134,4 bzw. 107,7 in den Wochen davor. Insoweit hat sich trotz der über die letzten Wochen stark gestiegenen Neuinfektionen zum Glück bei den Sterbefallzahlen eine gewisse Stabilisierung eingestellt, die Gott sei Dank den Trend der Neuinfektionen nicht nachzeichnen.

Nicht so gut sieht es dagegen in den Kliniken aus. Zwar gibt es mit der Gesamtzahl der hospitalisierten Corona-Patientinnen und -Patienten eine Konstante, die sich über die letzten Wochen bei ca. 3.000 herausgebildet hat. Innerhalb der Gruppe der Hospitalisierten verschieben sich die Gewichte aber nach wie vor in Richtung der Intensivstationen, auf denen heute 779 Personen behandelt werden. Das ist ein Spitzenwert, den wir zuletzt am 21. Januar verzeichnen mussten. Kein gutes Gefühl macht zudem die Geschwindigkeit, mit der dieser Wert ansteigt. Vor genau einer Woche lagen „nur“ 648 Corona-Patienten auf Intensiv. Und anders, als die Zahl der Neuinfektionen sind die Werte zu den Intensivpatienten nicht feiertagsbedingt verzerrt. Denn wer gesundheitlich so schlecht dran ist, dass er ein Intensivbett braucht, der wird dort auch an Sonn- und Feiertagen aufgenommen. Insoweit ist dieser ungünstige Wert im Reigen der heute hier zu betrachtenden Parameter der verlässlichste und gibt den klarsten Blick auf das Geschehen frei.

Liebe Leserinnen und Leser, an den Anfang der heutigen nachösterlichen Betrachtungen möchte ich zunächst einen aufrichtigen Dank an die Menschen in Bayern stellen, die sich am gesamten Osterwochenende ausgesprochen verantwortungsvoll verhalten haben. Ich gebe zu, dass ich im Lichte der während der Karwoche teils sehr schrill geführten Diskussionen um all das, was die Menschen an Zumutungen noch zu ertragen bereit seien, schon gewisse Bedenken hatte, dass es gerade an den touristischen Hotspots zu Massenaufläufen ohne Maskentragen und ohne ausreichende Abstände zwischen den Menschen kommen würde. Aber die Menschen waren auch an den Tagen mit bestem Wetter sehr umsichtig und haben sich gut in der Fläche Bayerns verteilt.

Auch sonst hält sich gerade in Regionen mit einer stabilen 7-Tage-Inzidenz von über 100 die große Mehrheit der Menschen an die geltenden infektionsschutzrechtlichen Regelungen einschließlich einer nächtlichen Ausgangssperre zwischen 22:00 Uhr und 05:00 Uhr. Natürlich stellt die Polizei verschiedentlich Verstöße fest und muss diese ahnden. Aber zum Glück geht es dann selbst in belastenden Kontrollsituationen nicht immer nur verbissen, sondern gelegentlich sogar skurril bis heiter zu. Etwa wenn in der Zeit der nächtlichen Ausgangssperre vermeintliche Hundebesitzer zu ihrer Entschuldigung vorbringen, gerade den Hund Gassi zu führen, dieser aber dummerweise weggelaufen sei. Wenn der „Waldi“ sich dann auch auf hartnäckigstes Rufen von „Frauchen“ oder „Herrchen“ nicht blicken lässt, dann räumt der sich zunächst pfiffig vorkommende Nachtschwärmer meist doch schnell ein, dass seine Ausrede lediglich der Versuch einer „dackelbeinigen“ Notlüge war.

Derlei Einsichtsfähigkeit zeigt aber leider längst nicht jeder, wie man am Karsamstag beim Demonstrationsgeschehen in Stuttgart sowie bei einigen kleineren Aufzügen in Bayern beobachten konnte. Einmal mehr haben die sog. „Querdenker“ unter Beweis gestellt, dass sie sich nicht nur ohne Skrupel in einem politisch zusehends noch fragwürdiger werdenden Umfeld bewegen. Sie werden auch in ihrer Wortwahl und Geisteshaltung immer aggressiver. Einige Führungsfiguren wie ein pensionierter bayerischer Polizeibeamter verlassen zusehends den Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und werden deshalb völlig zurecht vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Querdenker scheren sich zudem bei Demonstrationen immer weniger um Abstandsregeln und Maskenpflicht und gefährden damit die Gesundheit anderer Menschen. Die Gefahr ist groß, dass solche Versammlungen, die massenhaft Problemleugner auf engstem Raum zusammenführen, zu Viren-Drehkreuzen werden.

Gerade im Kontext der britischen Mutation B.1.1.7. wird häufig berichtet, das Virus habe sich verändert und sei in seinen Mutationen ansteckender oder im Krankheitsverlauf gefährlicher oder beides. Derlei Formulierungen erwecken den Eindruck, das Corona-Virus könne sich „bewusst“ so verändern, dass es andere Varianten ausstechen, das Immunsystem des menschlichen Körpers „bewusst“ umgehen oder die Wirkung von Impfstoffen gezielt austricksen könne. Alles das trifft natürlich nicht zu. Denn weder hat das Virus ein Bewusstsein, noch ist es schlau oder kann gar seine weitere Entwicklung zielgerichtet steuern. Vielmehr muss der „Gattung“ COVID-19 SARS-Cov-2 für das Auftreten neuer, dabei dem Wildtyp und anderen Formen überlegener und insoweit für den Menschen gefährlicherer Varianten letztlich der Zufall zu Hilfe kommen. Diesen Zufall kann allerdings das „Wirtstier“ Mensch durch sein Verhalten ein Stück weit beeinflussen, sodass auch aus diesem Gesichtspunkt heraus die Einhaltung der Hygieneregeln entscheidende Bedeutung hat.

Das Virus kann sich nur verbreiten, wenn es zu einem nächsten Wirt, also von Mensch zu Mensch überspringen kann. Hierzu benötigt es in Bezug auf die sog. Virenlast, also die Anzahl der „Corona-Viren“ insbesondere im Atemapparat des Menschen, eine kritische Masse. Säße dort nur ein einsames Virus herum, könnte dies weder den Träger krankmachen, noch auf andere Wirte überspringen. Hierzu braucht es ein massives Auftreten der Viren, das eine entsprechend massive Vermehrung voraussetzt. Dazu kapern die Viren mit den ihnen eigenen „Einbruchswerkzeugen“ Körperzellen des Wirts, um sich deren Ressourcen zu bedienen und stoßen sogleich einen Prozess an, der im Ergebnis massenhaft Kopien der Viren-Ausgangspopulation hervorbringt. Dieser Kopiervorgang zielt in seinem Kern auf die RNA, also das Erbgut (Genom) der Viren, auf dem deren „genetischer Bauplan“ biochemisch abgespeichert ist. Es werden fortlaufend und auf Hochtouren Kopien des Genoms hergestellt, von denen jede einzelne wiederum das entscheidende Kernelement eines neuen Virus bildet und um dieses herum ein neues Virus baut. Ist dieses fertig, beginnt auch dieses sofort mit der Produktion weiterer Kopien, weshalb sich Viren in dieser Phase explosionsartig vermehren. Das versucht insbesondere das körpereigene Immunsystem, das die Viren als körperfremde Eindringlinge erkennt, zu unterbinden. Hierfür entwickelt die Immunabwehr Werkzeuge, meist bestimmte Immunzellen, die in der Regel gezielt die Oberflächenstrukturen der Viren angehen, um sie auszuschalten. Hat die Immunabwehr das geschafft, ist es um die Viren geschehen und einem Erkrankten geht es bald besser. Falls nicht, ist ein schwerer Krankheitsverlauf zu befürchten. Insoweit findet ein Wettkampf zwischen der körpereigenen Immunabwehr und den Eindringlingen statt.

Diesen Gesamtzusammenhang zu verstehen ist wichtig, um das Zustandekommen von Mutationen und ihre Rolle für den weiteren Pandemieverlauf zu verstehen. Der Schlüssel für alles Weitere liegt dabei in dem bereits erwähnten Kopiervorgang der RNA. Denn hierbei kann es gelegentlich zu kleinsten Kopierfehlern kommen, sodass die Erbinformation des „Ablegers“ nicht mehr vollständig identisch ist mit der des Ausgangsvirus. Die insoweit abweichende Erbinformation wird bewirken, dass sich Ableger genau an der Stelle, deren Ausprägung die fragliche Erbgutstelle steuert, von der ursprünglichen Form entsprechend der abgewandelten Information unterscheiden. Das ist aus Sicht des Virus einerseits ein Fehler, bringt andererseits aber auch eine größere Vielfalt hervor, die wiederum Chancen bietet.

Denn erwächst dem Virus auf diese Weise eine günstige Eigenschaft, weil etwa das „Einbruchswerkzeug“ der Mutante wirksamer ist, diese wesentlich agiler ist, vom Immunsystem nicht mehr so gut erkannt wird oder dessen Abwehrwaffen nicht mehr vollständig greifen, dann ist die Mutante nach Darwin „fitter“ (survival oft he fittest) als die Vorform und wird sich am Ende durchsetzen.

Dass Mutanten auftreten, ist etwas völlig Normales, auch bei anderen Virustypen wie etwa bei Influenza. Dass eine Erbgutveränderung letztlich aber dazu führt, dass ihre Träger die angestammte Variante aus dem Feld schlagen, ist extrem selten, wird aber rein statistisch und auch tatsächlich umso wahrscheinlicher, je mehr Kopiervorgänge stattfinden, weil damit automatisch die Zahl der „Fehler-Kopien“ steigen und damit die Vielfalt größer wird. Deshalb ist die Antwort auf die Frage, ob es weitere und dabei gefährlichere SARS-Cov-2-Mutationen geben wird oder gar eine besonders fitte, alles bisher Dagewesene in den Schatten stellende „Monster“-Mutation auftreten kann, u.a. davon abhängig, wie viele Menschen sich mit Corona infizieren. Denn hätte sich nur eine Million Menschen infiziert, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass daraus eine besonders fitte Variante hervorgeht, um ein extremes Vielfaches geringer, als wenn sich hunderte Millionen Menschen infizieren und insoweit zu potentiellen Reaktoren für Virusreproduktionen werden.

Deshalb ist es enorm wichtig, dass wir dem Virus möglichst wenig Gelegenheit bieten, sich zu verbreiten, die Welle(n) flach halten und möglichst schnell möglichst viele Menschen impfen. Auf mittlere Sicht muss das weltweit geschehen, denn am Ende ist es ohne Belang, ob ein besonders fittes Virus in Europa, Asien oder Südamerika entsteht. Hat es sich erst einmal in seiner Heimatregion durchgesetzt, wird es angesichts internationaler Personenverkehrsströme über kurz oder lang alle anderen Regionen erreichen, wie wir u.a. am Beispiel der britischen Mutation B.1.1.7. eindrucksvoll erfahren mussten.

Vor diesem Hintergrund und der Situation auf den Intensivstationen der Kliniken ist die Zahl der Neuinfektionen nach wie vor viel zu hoch. Um dagegen anzugehen hat der Ministerrat über die geltenden Notbremse-Mechanismen hinaus gestern einige weitere beschränkende Maßnahmen beschlossen, die das Gesundheitsministerium zeitnah in geltendes Recht umsetzen wird. So war etwa nach der noch geltenden Regelungslage vorgesehen, ab dem 12. April 2021 weitere Öffnungsschritte in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer 7-Tage-Inzidenz von nicht über 100 bzw. nicht über 50 in den Bereichen Außengastronomie, Kultur und Sport zuzulassen. Dies ist aber in Anbetracht der Gesamtlage nicht zu verantworten und auch nicht zu vermitteln und unterbleibt deshalb zunächst bis zum 26. April 2021.

Gleiches gilt für die in acht Städten und hierbei in allen Regierungsbezirken geplanten Modell-Projekte. Mit diesen sollten unter wissenschaftlicher Begleitung die Auswirkungen einer schrittweisen Rücknahme von Beschränkungen des öffentlichen Lebens sowie für Theater-, Konzert- oder Opernhäuser in kreisfreien Städten und Landkreisen mit einer 7-Tage-Inzidenz von über 100 untersucht werden, soweit diese Lockerungen von einem besonders stringenten Testregime begleitet werden. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben, ich hoffe deshalb sehr, dass wir diese „Piloten“ zeitnah starten können, sofern sich der allgemeine Trend ins Positive dreht.

Des Weiteren hat der Ministerrat in Bezug auf den Einzelhandel Nachjustierungen vorgenommen, die am 12. April wirksam werden. Zum einen werden Blumenfachgeschäfte, Gartenmärkte, Gärtnereien, Baumschulen, Baumärkte und Buchhandlungen wie sonstige Geschäfte des Einzelhandels behandelt.

Was in Detail wo gilt, richtet sich nach den jeweiligen 7-Tage-Inzidenzwerten der Landkreise und kreisfreien Städte, in deren Gebiet sich ein Geschäft befindet.

Unterhalb des Schwellenwertes von 50 gelten die bisherigen Regelungen fort. Somit können alle Geschäfte öffnen, sofern sie ein allgemeines Schutz- und Hygienekonzept umsetzen. Dessen Kernelemente sind insbesondere die Einhaltung des Mindestabstandes zwischen den im Laden aufhältigen Personen, die Beachtung der Maskenpflicht, die Einhaltung einer Kundenhöchstzahl, die sich nach der Formel „ein Kunde je 10 m² für die ersten 800 m² der Verkaufsfläche sowie zusätzlich ein Kunde je 20 m² für den 800 m² übersteigenden Teil der Verkaufsfläche“ bemisst.

Bei einer 7-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100 sind nur Terminshopping-Angebote möglich. Diese sind auch unter dem Begriff „Click & Meet“ bekannt und meinen, dass ein Kunde in den Laden darf, sofern er – der Kunde – sich vorab persönlich angemeldet und einen Termin vereinbart hat. Dies hat den Sinn, im Infektionsfall die Kontakte besser nachverfolgen zu können und natürlich darf auch bei diesem Modell trotz Identifizierbarkeit der Kunden der Laden nicht vollgestopft werden. Deshalb gilt die Regel „ein Kunde pro 40 m² Verkaufsfläche".

Bei einer 7-Tage-Inzidenz zwischen 100 und 200 ist ebenfalls „Click & Meet“ zulässig, dies allerdings nur mit der zusätzlichen Maßgabe, dass der Kunde einen aktuellen negativen Corona-Test vorlegen kann. Ausreichend ist entweder ein PCR-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist, oder ein maximal 24 Stunden alter Schnelltest.

Bei einer 7-Tage-Inzidenz über 200 bleibt immerhin noch die Möglichkeit des „Click and Collect“. Das bedeutet, dass der Kunde zwar nicht mehr die Verkaufsfläche betritt, aber vorbestellte Waren an der Ladentüre abholen kann. Hierfür ist kein Test erforderlich.

Und um allen Missverständnissen von vorne herein entgegenzutreten: Egal wie hoch die Inzidenz auch ist, die für die tägliche Versorgung unverzichtbaren Ladengeschäfte – vom Lebensmittelladen, über den Supermarkt, den Waschsalon bis zum Tierbedarf und Futtermittelvertrieb – bleiben unter Beachtung der einschlägigen Hygienekonzepte stets geöffnet.

Ob das alles bis auf Weiteres das letzte Wort ist, darüber werden kommende Woche die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin beraten. Insoweit bleibt es spannend.

Wir sind Wellenbrecher!

Mit besten Grüßen
Ihr


Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie - steigende Infektionszahlen, zunehmend hoher Anteil an Mutationen/VOC, diffuses Infektionsgeschehen, starke Spreizung der Infektionslage innerhalb Bayerns - und im Hinblick darauf, dass in den Feuerwehrschulen Feuerwehrdienstleistende aus den verschiedenen Regionen Bayerns zusammenkommen, wird der Präsenzunterricht an den Staatlichen Feuerwehrschulen bis einschließlich 25.04.2021 ausgesetzt.

Ein Eintrag der Infektion in die Feuerwehren als Teil der kritischen Infrastruktur ist unbedingt zu vermeiden. Sofern sich die Inzidenzlage bis dahin nicht deutlich verschlechtert, ist eine Wiedereröffnung mit einem konsequenten Testkonzept geplant.

112 Newsletter vom 1. April 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

beginnen möchte ich auch heute mit den wesentlichen Kerndaten der aktuellen Pandemielage. Heute, Donnerstag, 1. April, 08:00 Uhr, verzeichnen wir in Bayern insgesamt 500.077 bestätigte Covid-19-Infektionen. Im Vergleich zum Donnerstag der letzten Woche, bis zu dem 481.431 Infektionen gezählt worden waren, sind dies 18.646 mehr. Für die zurückliegenden sieben Tage ergibt sich daraus ein rechnerischer Schnitt von 2.664 Neuinfektionen. Für die vorangegangenen Wochen lagen die Vergleichswerte bei 2.305, 1.888, 1.496, 1.320 1.104, 1.093, 1.263, 1.646, 1.909, 2.366, 3.265, 3.143, 3.203, 3.912, 4.172, 3.638, 3.475, 3.606, 3.432, 3.597, 2.918, 2.153, 1.243, 652 bzw. 372. Man kann es drehen und wenden, wie man will. Wir müssen diese Woche nicht nur konstatieren, dass mittlerweile in Bayern sich mehr als eine halbe Million Menschen mit Covid-19 infiziert haben bzw. hatten, sondern dass sich auch der exponentielle Anstieg der Neuinfektionen fortsetzt. Das gilt leider auch für das Bundeslagebild, das für ganz Deutschland mindestens denselben Negativtrend beschreibt. Dieser mündete in der vergangenen Woche im Schnitt in 16.566 Neuinfektionen pro Tag, nach 14.416, 11.332, 8.715, 8.189, 7.725, 7.220, 8.290, 10.450, 12.900, 15.700 und 21.000 in den Vorwochen. Das RKI vermeldet heute für ganz Deutschland mit 24.300 einen Höchstwert, den es seit Mitte Januar nicht mehr gab und der im Wochenvergleich um knapp 1.650 höher liegt.

Nun zum Ländervergleich. Bayern liegt heute auf Platz 5 (Vorwoche 8) des Negativ-Rankings und hat sich damit mit einer 7-Tage-Inzidenz von 142 – nach 114, 96, 77, 68, 58, 55 – um drei Plätze verschlechtert. Insgesamt 13 Länder verzeichnen nun eine 7-Tage-Inzidenz über 100. Den höchsten Wert muss Thüringen mit 254 (220) hinnehmen, den günstigsten verbucht wieder Schleswig-Holstein mit 75 (60). Der Durchschnittswert aller Bundesländer liegt bei 134, nach 113 und 90 in den Vorwochen. Diese Zahlen belegen die bundesweit ungebrochene strukturelle Aufwärtsdynamik, die keineswegs nur von einigen „Problemländern“ herrührt, sondern die auch die vermeintlich „guten“ Länder immer schlechter dastehen lässt.

Dass sich das Infektionsgeschehen ungünstig entwickelt, hängt entscheidend mit der Verbreitung der britischen Mutation B.1.1.7. zusammen, denn diese ist deutlich ansteckender als der ursprüngliche Wildtyp oder andere Varianten wie etwa die südafrikanische B.1.351. Wurde vorvergangene Woche noch in ca. 60 Prozent der positiven PCR-Tests B.1.1.7. nachgewiesen und galt das letzte Woche noch für 72 Prozent der Proben, so meldet das RKI aktuell bereits rund 90 Prozent britische Mutanten. Dieser Typ hat somit nahezu alle anderen Arten verdrängt und für ungünstig klare Verhältnisse gesorgt, jedenfalls so lange, wie er nicht selbst einer noch ansteckenderen Mutation weichen muss. Das wäre dann erst recht übel.

Ein statistisches Kernelement der Beurteilung der Lage ist seit jeher die Positivrate, also die Zahl der laborpositiven Tests im Verhältnis zu deren Gesamtzahl. Die Positivrate lag in Bayern in den zurückliegenden Tagen zwischen 4,0 und 5,3 Prozent (Vorwoche: 4,0 und 5,0) und steigt damit – wenn auch leicht gebremst – weiter an. Die Zahl der in Bayern vorgenommenen PCR-Tests nimmt aktuell zu. Letzte Woche hat das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit an gleich drei Tagen zu verzeichnenden Werten von jeweils um die 90.000 PCR-Tests ein herausragendes Testgeschehen registriert, das sich diese Woche mit Blick auf die Ostertage noch einmal erheblich steigern könnte. Jedenfalls werden von vielen Testzentren lange Schlangen testwilliger Personen berichtet. Das ist einerseits gut, macht mir aber schon auch etwas Sorge, falls dieses Phänomen andeutet, dass sehr viele Menschen über die Feiertage ins Ausland reisen.

Angesichts dieser Gesamtlage verwundert es nicht, dass auch in den Regionen Bayerns die Infektionszahlen weiter steigen. Zwar zeigt sich weiterhin eine unterschiedliche regionale Verteilung, diese wird aber zusehends diffuser. Jedenfalls gilt die Regel der letzten Wochen nicht mehr, wonach sich eine überproportionale Betroffenheit nahezu ausschließlich auf einen Gürtel entlang der bayerisch-tschechischen Grenze fokussiert. Mittlerweile weist die Bayern-Karte der Landkreise und kreisfreien Städte auch in Schwaben und Niederbayern Landkreise mit 7-Tage-Inzidenzen von über oder knapp 300 aus. Im Einzelnen: Die gute Nachricht ist, dass die Stadt Hof mit jetzt 373 wieder unter die 400er-Marke gekommen ist. Es folgen die Landkreise Kulmbach (347), Cham (334) und Ostallgäu (301), die sich nunmehr in das letzte Woche noch unbesetzten Segment zwischen 300 und 400 einreihen. Schwandorf liegt nunmehr bei leider verschlechterten 299, gefolgt von Kelheim mit 280. Über der im Sinne der Maßnahmen-Matrix entscheidenden Marke von 100 Neuinfektionen binnen 7 Tagen liegen nunmehr 73 (50) Landkreise und kreisfreie Städte, die, soweit dieser Wert mehr als drei Tage hintereinander überschritten bleibt, mit diversen Einschränkungen des öffentlichen Lebens einschließlich einer nächtlichen Ausgangssperre von 22:00 Uhr bis 05:00 Uhr umzugehen haben. Unter 100, aber über 50 liegen leider nur mehr 23 (37) Gebietskörperschaften und das Segment unter 50 ist nunmehr verwaist. Die niedrigste Inzidenz, die letzte Woche noch die Stadt Ansbach mit einem Wert von 35,9 für sich verbuchen konnte, meldet das RKI heute für den Landkreis Schweinfurt mit nicht wirklich prickelnden 61,5.

In Bayern sind an oder mit einer Corona-Infektion mittlerweile 13.260 Personen verstorben. Das sind im Vergleich zum vorigen Donnerstag 171 (181) oder pro Tag ca. 24,4 Fälle mehr, nach 25,9, 24,0, 26,9, 39,1, 42,0, 73,7, 82,6, 111,7, 117,9, 125,1, 134,4 bzw. 107,7 in den Wochen davor. Damit gilt auch diese Woche: Auch wenn natürlich jeder Sterbefall tragisch und einer zu viel ist, so liegt in dieser Entwicklung doch die gute Nachricht, dass trotz der stark zunehmenden Neuinfektionen die Corona-bezogenen Sterbefälle, nicht zuletzt wegen der Impfungen, ohne nennenswerten Anstieg auf demselben Niveau verharren.

In den Kliniken ist der Trend leider auch nicht unser „friend“, wie die Briten sagen. Zum einen steigt die Zahl der hospitalisierten Covid-19-Patientinnen und -Patienten kontinuierlich an und vor allem gilt dies für die Intensivstationen. Dort liegen heute 648 Corona-Patienten, das hatten wir zuletzt am 9. Februar. Allein innerhalb einer Woche ist die Zahl der Intensivbelegungen in Bayern um 90 gestiegen und ich hoffe sehr, dass es die nächsten Wochen nicht in diesem Tempo weitergeht. Sonst wird die Lage sehr schnell eng. In der Zusammenschau aller Faktoren, Parameter und Lagefelder bleibt nur ein Urteil: die Lage ist ernst, für ein „Wir-sind-über-den-Berg-Gefühl“ besteht kein Anlass.

Liebe Leserinnen und Leser, letzte Woche hatte ich in Aussicht gestellt, mich in dem in der Karwoche erscheinenden Newsletter mit den Optionen für eine Lockerung der Maßnahmen näher befassen zu wollen. Wenn Sie gestatten, dann würde ich mir dieses Thema gerne noch etwas aufsparen. Denn wie gesehen, steigen aktuell die Infektionszahlen weiter, die Zahl der Landkreise und kreisfreien Städte, die bei der 7-Tage-Inzidenz über der 50er oder gar 100er-Marke liegen, wächst rasant und auch die Belegung der Intensivstationen entwickelt sich nicht in die richtige Richtung, sodass ich nicht davon ausgehe, dass das Gesundheitsministerium sehr zeitnah das für weitere Lockerungsmaßnahmen vor Ort erforderliche Einvernehmen erteilen wird. Und eine derzeit aktuell rein theoretische Abhandlung will ich Ihnen nicht zumuten, zumal es auch so den ein oder anderen Hoffnungsschimmer gibt.

STICHwort Impfen. Natürlich sind die neuerlichen Fragezeichen, die sich mit der Anwendung des Serums von AstraZeneca verbinden, eine emotionale Belastung für das gesamte Impfgeschehen. „Die Wege des Herrn sind unergründlich“ sagt in Abwandlung einer Stelle im neutestamentlichen Brief des Apostels Paulus an die Römer (Röm 11,33-36) ein deutsches Sprichwort, mit dem üblicherweise eine leicht genervte Grundstimmung in Bezug auf eine mangelnde Nachvollziehbarkeit des Handelns einer Person zum Ausdruck gebracht wird. Ähnliches könnte einem derzeit mit Blick auf die Ständige Impfkommission (Stiko) in den Sinn kommen. Zunächst hatte sie in Abweichung von der Einschätzung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA die Anwendung von AstraZeneca nur für bis zu 65-jährige Impfwillige empfohlen, weil der Stiko die studienbasierte Datengrundlage für Ältere als zu gering erschien. Nachdem Großbritannien ohne Altersgrenze und beginnend bei den Senioren millionenfach AstraZeneca verimpft hatte, war die Datenbasis auch für die Sitko hinreichend und die „deutsche“ Altersbeschränkung konnte entfallen. Kurz darauf hat die Stiko aber für dieses Präparat einen neuerlichen Impfstopp verfügt, nachdem sich in kleinsten absoluten Dimensionen statistische Auffälligkeiten in Bezug auf generell sehr seltene Hirnvenenthrombosen ergeben hatten. Zwei Tage später war der Impfstopp obsolet, nachdem eine neuerliche Überprüfung durch die EMA keine gravierenden Bedenken bestätigen konnte und ein entsprechender Hinweis auf die sehr seltene Möglichkeit von Hirnvenengerinnsel in den Beipackzettel aufgenommen wurde. Dem hatte sich die Stiko angeschlossen. Nun also auf Grundlage einer weiteren Stiko-Empfehlung eine neuerliche Einschränkung des Anwendungsbereiches. Seit vorgestern soll AstraZeneca nur mehr an mindestens 60 Jahre alte Probanden verabreicht werden – also im Wesentlichen die anfangs gesperrte Altersgruppe. Einmal mehr hat sich die Ansicht der Stiko europaweit nicht durchgesetzt. Die EMA hat – und das bereits am nächsten Tag – auf der Grundlage einer breiten europäischen Datenbasis keinen Anlass für ein sofortiges Impfmoratorium oder eine Altersbeschränkung gesehen und die Gesundheitsbehörden anderer EU-Staaten, u.a. Österreich, impfen ohne Altersbeschränkung mit AstraZeneca weiter. Wissenschaftlich gesehen ist das Vorgehen der Stiko für sich genommen sicherlich nachvollziehbar. Und doch sieht glückliches Agieren anders aus. Denn hier geht es längst nicht nur um Wissenschaft, sondern insbesondere auch um die öffentliche Wahrnehmung in einer ohnehin emotional sehr aufgeheizten Zeit. Dieses kurzatmige Hin und Her verunsichert die Menschen und müsste doch eigentlich durch einen rechtzeitigen Austausch auf Fachebene weitgehend zu vermeiden sein, ohne dass daraus in der Sache selbst unvertretbare Risiken erwachsen.

Nach allem, was man hört, lassen sich zum Glück die meisten, die aktuell einen Impftermin mit AstraZeneca haben, nicht verunsichern. Diese Menschen sind zum einen nach der aktuell weiter geltenden Priorisierung ohnehin i.d.R. älter als 60, und diejenigen, die bei der Nachricht „AstraZeneca“ doch zurückzucken, können schnell nachersetzt werden. Die auf Bundesebene getroffene Entscheidung hat aber insoweit Konsequenzen, als wir im elektronischen Terminvergabesystem BayIMCO Umprogrammierungen vornehmen müssen.

Mit Blick auf unsere eigenen Zuständigkeiten kann ich sagen, dass in den vergangenen Wochen in den Impfzentren an den Spritzen ordentlich Druck gemacht wurde. So wurden bisher etwa
2,3 Millionen Anti-Covid-19-Injektionen verabreicht. Diese verteilen sich auf ca. 1,6 Mio. Erst- und etwa 700.000 Zweitimpfungen. Des Weiteren wurden aus Sonderbeständen der EU für schwere Hotspot-Ausbrüche dem Freistaat 100.000 zusätzliche Impfdosen zur Verfügung gestellt, speziell um in den besonders hart betroffenen Grenzregionen zu Tschechien mehr Menschen zu impfen, ohne dass anderen Regionen etwas „weggenommen“ würde.

Diese Sonderzuteilung folgt zwei unterschiedlichen, aber gleichermaßen wichtigen strategischen Überlegungen. Zum einen sind diese Gegenden in Bayern nach wie vor diejenigen mit der höchsten Ansteckungsgefahr und jeder, der dort geimpft ist und sich danach ansteckt, wird zumindest in aller Regel nicht mehr als schwerer Fall auf der Intensivstation landen. Das ist gut, denn die dortigen Krankenhäuser sind aktuell bayernweit im Verhältnis zu den verfügbaren Kapazitäten am stärksten ausgelastet und benötigen deshalb dringend eine Entlastung bei den Covid-Patientenaufnahmen. Denn auch wenn der letzte wissenschaftliche Beweis noch nicht erbracht ist, so deutet doch vieles darauf hin, dass bei erneuter Ansteckung das Immunsystem der Geimpften die Virenlast so weit drückt, dass die Gefahr, andere anzustecken, erheblich minimiert ist.

Dieser Zusammenhang gilt natürlich nicht nur für Hochinzidenzgebiete, sondern ganz generell. Deshalb ist es eine ausgezeichnete Nachricht, dass wir allein im April für Bayern weitere
ca. 2,3 Millionen Einzeldosen erwarten dürfen, die umgehend verabreicht werden. Nach den Ergebnissen des „Impfgipfels“, bei dem sich am Dienstag Ministerpräsident Dr. Söder u.a. mit den kommunalen Spitzenverbänden und Vertretern der Ärzteschaft zum weiteren Vorgehen beraten hat, werden den größeren Teil – ca. 1,3 Mio. Einzeldosen – die kommunalen Impfzentren übernehmen, die wir als Freistaat auch weiterhin bei der Erfüllung ihrer Aufgaben nach Kräften unterstützen. Die Impfzentren arbeiten natürlich auch über Ostern weiter und bereiten sich für die kommenden Wochen auf einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb vor. Die weitere Million Impfdosen sollen die niedergelassenen Ärzte verimpfen. Am gestrigen Mittwoch haben zunächst 1.635 Arztpraxen mit 33.000 Einzeldosen begonnen. Ab der Osterwoche stoßen nach und nach weitere niedergelassene Ärzte dazu, ehe dann auch die Betriebsärzte größerer Unternehmen ins Geschehen eingreifen können. Mit diesem Hochlauf in verschiedenen komplementären Teilsystemen streben wir an, bis Anfang Mai ca. 20 Prozent der bayerischen Bevölkerung mindestens einmal geimpft und damit grundimmunisiert zu haben.

Besonders gut gefallen haben mir zudem zwei Meldungen, von denen es die eine immerhin in die bundesweite Berichterstattung geschafft hat, die andere „nur“ in die Wirtschaftsnachrichten des führenden bayerischen Rundfunknachrichtenkanals. Die erste Meldung besagt, dass das neue Produktionswerk von Biontech im hessischen Marburg nunmehr von der EMA die Genehmigung erhalten hat, pro Jahr bis zu einer Milliarde Dosen des von ihm entwickelten Impfstoffs zu produzieren. Das Werk, das ursprünglich einem schweizer Pharmakonzern gehörte, der unabhängig von Covid-19 seit Jahren darauf hinarbeitete, in das Geschäft mit den mRNA-Impfstoffen einzusteigen, aber an der Komplexität der Forschungs- und Entwicklungsaufgabe gescheitert ist und deshalb das Werk letztes Jahr im Sommer zum Verkauf stellte, hat Biontech erworben und in Windeseile so umgerüstet, dass damit das Vakzin ab Mitte April in großen Mengen hergestellt werden kann und zwar unabhängig von Pfizer.

Die zweite Meldung bezog sich auf ein mir bis dahin völlig unbekanntes Unternehmen, das eigentlich Arzneimittel gegen Allergien herstellt und hierbei schon seit Langem mit – na, erraten Sie es? – Biontech zusammenarbeitet. Auch dieses Unternehmen ist im Umgang mit der mRNA-Technologie firm, wird einen erheblichen Teil seiner Produktionskapazitäten auf das Covid-Präparat umrüsten und ausbauen und dann um die Jahresmitte die Impfstoffproduktion aufnehmen. Dieses Beispiel zeigt, dass durchaus noch Reserven im System stecken, die schnell gehoben werden müssen. Es zeigt aber auch, wie genial sich die Leistung des Forscher- und Biontech-Gründer-Ehepaares Uğur Şahin und Özlem Türeci darstellt. Ohne diese sähe es düster aus, und so haben sich beide jüngst sehr zurecht im Berliner Schloss Bellevue ganz Corona-konform das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland vom Tischchen des Bundespräsidenten nehmen dürfen.

Bei aller Freude über sich einstellende Hoffnungsschimmer darf man aber nicht vergessen, dass Covid-19 eine Krankheit ist, die tödlich verlaufen kann. Das, was mit Ausnahme von hartnäckigen Corona-Leugnern, sog. Querdenkern und Verschwörungsideologen jeder hinreichend vernünftige und für Tatsachen aufgeschlossene Mensch den Berichten der Mediziner aus der klinischen Praxis entnehmen und was man bei gelegentlichen Friedhofsbesuchen an der Zahl der frischen Grabhügel und Urnengestecke sehen konnte, hat nun das Bayerische Statistische Landesamt mit einer Sonderauswertung der von den örtlichen Standesämtern gemeldeten Sterbefallzahlen eindrucksvoll belegt. Danach ist evident, dass aus der ersten und zweiten Corona-Welle jeweils statistisch eindeutig belegbare Sterbewellen erwachsen sind. So lag bei landesweiter Betrachtung die Zahl der Sterbefälle im April 2020 um gut 21 Prozent, im November 2020 um ca. 12 Prozent und im Dezember 2020 sogar um gut 35 Prozent über dem Durchschnittswert der Vergleichsmonate der zurückliegenden fünf Jahre. Ähnliches deutet sich für den datentechnisch noch nicht abgeschlossenen Januar 2021 an, für den schon jetzt ein trauriges Plus von
21 Prozent zu Buche steht. Und das alles, obwohl wegen der pandemiebedingt stärkeren Hygienemaßnahmen die sonst üblichen Influenza-Sterbezahlen deutlich niedriger ausgefallen sein dürften.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung machen aber die ebenfalls noch nicht endgültig zu sehenden Februar-Zahlen Mut. Denn diese zeigen eine deutliche Entspannung beim Sterbefallgeschehen der 80plus, was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die positive Folge der eben auf jene Altersgruppe fokussierten frühen Impfkampagne ist. Hoffen wir, dass die Sterbefallzahlen trotz der im Vergleich zum Wildtyp ansteckenderen und wohl auch aggressiveren britischen Mutante sich weiterhin günstig entwickeln.

Und dennoch muss man sich immer wieder vergegenwärtigen, dass wir uns zwar allem Anschein nach auf der Schlussetappe der Covid-19-Pandemie befinden, dass wir aber noch ein paar extrem harte Wochen vor uns haben. Wir dürfen jetzt nicht stehen bleiben, wie es heute die Chefvirologin der TU München, Ulrike Protzer, formuliert hat. So bleibt unter den gegebenen Umständen als zentrales Instrument für ein rechtzeitiges Brechen der dritten Welle nur der möglichst sparsame Umgang mit physischen Kontakten. Testen ist gut und hilft Infektionsketten frühzeitig zu brechen. Noch besser ist es aber, wenn solche erst gar nicht entstehen. Meiden Sie deshalb bitte gerade an den Feiertagen die klassischen Ausflugsgebiete mit ihren Menschenmassen, bleiben Sie möglichst in Ihrer engeren Region oder verlegen Sie das Ostereiersuchen zumindest in weniger überlaufene Gegenden. Bayern hat unendlich viele schöne Ecken, da müssen es nicht immer die Touri-Hotspots sein, weil diese sonst zu Corona-Hotspots werden. Halten Sie sich bitte auch im privaten Bereich an die für Ihre Region geltenden Kontaktbeschränkungen. Diese beziehen sich ausschließlich auf physische Kontakte, sodass auch zu Ostern das gilt, was ich zu Weihnachten festgestellt hatte. Nutzen Sie die Zeit, um mehr Telefonate zu führen, die schon längst geführt werden hätten sollen, aber nie geführt wurden.

Liebe Leserinnen und Leser, wie wohl kein anderes christliches Festgeschehen versinnbildlichen die Karwoche und das Osterfest auch ein Stück weit die Extreme dieser Pandemie. Die Karwoche, in deren liturgischen Feiern sowie neutestamentlichen Berichten zum Gründonnertag und vor allem Karfreitag die Todesangst Jesu und das Wissen um seine kommende Leidensgeschichte ebenso greifbar werden, wie die tiefgreifende, in Teilen geradezu panische Verwirrung seiner Jünger über das eigentlich Unvorstellbare und eine daraus resultierende, auch existenzielle Not. Genauso fühlen viele Menschen jetzt tiefe Angst, sie könnten Covid-19 zum Opfer fallen, ihr Leben verlieren oder als Long-Covid-Patienten als Pflegefall enden. Andere spüren tiefes Unbehagen über ihre existenziell-wirtschaftliche Not, wieder andere reagieren geradezu hysterisch und suchen in kruden Theorien einen Ausweg für sich.

Die zunächst tieftraurige biblische Situation erfährt ihre österliche Auflösung in der Auferstehung Jesu als Sinnbild einer Überwindung aller Plagen, Sorgen, Nöte und Ängste der menschlichen Existenz. Aus dieser Erfahrung konnten die Jünger Jesu Kraft schöpfen, um ihr Leben weiterzuführen und zu neuen Ufern aufzubrechen. Und so dürfen auch wir hoffen und aus dieser Hoffnung Kraft schöpfen, dass die schwierige Zeit der Pandemie möglichst schnell überwunden sein wird.

Das geht aber nicht wundersam von selbst, sondern nur dadurch, dass wir selbst die Kraft der Hoffnung dazu nutzen, unseren eigenen aktiven Beitrag zu leisten. Indem wir uns am Riemen reißen, anstatt schon fast gewohnheitsmäßig zu nörgeln. Indem wir die AHA-Regeln konsequent beachten. Indem wir uns gegenseitig stützen und Mut machen, anstatt der Versuchung zu erliegen, alles und jeden schlecht zu reden, weil das irgendwie mainstreamiger scheint. Indem wir den Gedanken zulassen, dass trotz aller Probleme schon unendlich viel erreicht wurde, zahllose Leben gerettet und schwere Krankheitsverläufe verhindert wurden. Indem wir denen, die aus der schwierigen Lage mit ihren verqueren Ideologien Kapital schlagen wollen, in den kleinen und großen Diskussionen des Alltags widersprechen, anstatt derlei Unfug einfach stehen zu lassen, bloß, weil das einfacher ist.

Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen allen frohe und gesegnete Ostern und ein paar ruhige und erholsame Feiertage! Und ich wünsche insbesondere jenen ganz viel österliche Kraft und danke diesen Menschen aus tiefstem Herzen, die auch jetzt über die Feiertage in den Kliniken, den Test- und Impfzentren, den Führungsstäben Katastrophenschutz, in den Behörden und Organisationen und wo auch immer uns nicht im Stich lassen, sondern unermüdlich und oft genug unter Einsatz der eigenen Gesundheit daran arbeiten, dass die Folgen der Pandemie für Sie und mich und alle Menschen im Lande beherrschbar bleiben.

Suchen wir das Gute, dann wird es uns besser gehen

Mit besten Grüßen
Ihr


Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister

Amtliche Bekanntmachung zur Überschreitung einer 7-Tages-Inzidenz von 100 im Landkreis Aschaffenburg an drei aufeinanderfolgenden Tagen - gültig ab 01.04.2021

Amtliche_Bekanntmachung_LK_Aschaffenburg_-_Inzidenz_über_100.pdf

Allgemeinverfügung des Landratsamtes Aschaffenburg zur Anordnung einer Testpflicht für Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen - gültig ab 30.03.2021

AV_LK_Aschaffenburg_für_Beschäftigte_in_Pflegeeinrichtungen_vom_30.03.2021.pdf

Ab sofort können Termine für die gemeinsame Teststrecke auf dem Volksfestplatz in Aschaffenburg, sowie für die sieben dezentralen Schnellteststellen im Landkreis auch online gebucht werden.

Auf der Homepage des Landkreises ist die online-Terminvergabe zu finden unter „Terminvereinbarung“ sowie unter „Testangebote“ auf der Corona-Seite.

Gleichermaßen funktioniert auch der QR-Code. Für die Anmeldung ist eine Registrierung mit einer E-Mail-Adresse erforderlich.

QR Code

Eine vorherige Anmeldung ist bei allen Testangeboten, bis auf das Angebot des Schnelltest-Busses, zwingend erforderlich. Weiterhin ist auch unter der Telefonnummer 06021/394-889 sowie per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! eine Terminvereinbarung möglich.

Auf der gemeinsamen Teststrecke am Aschaffenburger Volksfestplatz sind neben den PCR-Tests auch Schnelltests zu folgenden Öffnungszeiten möglich:

Montag:         08:00 – 17:00 Uhr

Dienstag:       08:00 – 16:00 Uhr

Mittwoch        08:00 – 16:00 Uhr

Donnerstag:   08:00 – 18:00 Uhr

Freitag:          08:00 – 16:00 Uhr

Samstag:       09:00 – 13:00 Uhr


An Dienstagen und Donnerstagen sind von 17:00 Uhr bis 20:00 Uhr (bei Bedarf auch an Sonntagen) an folgenden sieben Orten im Landkreis kostenfrei Schnelltests für jedermann möglich:

  • Mittelschule Hösbach
  • Mittelschule Schöllkrippen
  • Realschule Bessenbach
  • Realschule Großostheim
  • Karl-Amberg-Mittelschule Alzenau
  • Maingauhalle Kleinostheim
  • TTC Halle, Pfarrer-Wörner-Straße Mömbris


Außerdem ist weiterhin als weitere Ergänzung zum Testangebot im Landkreis Aschaffenburg der Schnelltest-Bus unterwegs. Hier können sich Passanten ohne Anmeldung spontan und kostenfrei schnelltesten lassen. Die Routen sowie auch der Live-Standort des Schnelltest-Busses in Echtzeit lassen sich auf der Landkreiskarte einsehen: www.kreiskarte-ab.de

In den sieben Schnellteststellen im Landkreis und im Schnelltest-Bus wird derzeit das Testpersonal von den Landkreisfeuerwehren gestellt. Herzlichen Dank an alle Helfer aus den Freiwilligen Feuerwehren. 

112 Newsletter vom 25. März 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

beginnen möchte ich auch heute mit den wesentlichen Kerndaten der aktuellen Pandemielage. Heute, Donnerstag, 25. März 2021, 08:00 Uhr, verzeichnen wir in Bayern insgesamt 481.431 bestätigte COVID-19-Infektionen. Im Vergleich zum Donnerstag der letzten Woche, bis zu dem 465.296 Infektionen gezählt worden waren, sind dies 16.135 Fälle mehr. Für die zurückliegenden sieben Tage ergibt sich daraus ein rechnerischer Schnitt von 2.305 Neuinfektionen. Für die vorangegangenen Wochen lagen die Vergleichswerte bei 1.888, 1.496, 1.320 1.104, 1.093, 1.263, 1.646, 1.909, 2.366, 3.265, 3.143, 3.203, 3.912, 4.172, 3.638, 3.475, 3.606, 3.432, 3.597, 2.918, 2.153, 1.243, 652 bzw. 372. Man kann es drehen und wenden, wie man will. Wir befinden uns leider wieder in einer Phase des exponentiellen Anstiegs, der, anders als gelegentlich vermutet wird, nicht unmittelbar etwas mit mehr Schnell-oder gar Selbsttests zu tun hat. Denn die so festgestellten Positivfälle werden mittels eines besonders genauen PCR-Tests überprüft und nur die hierbei festgestellten Infektionsfälle finden Eingang in die Statistik. Das gilt natürlich auch für das Bundeslagebild, das für ganz Deutschland mindestens denselben Negativtrend beschreibt. Dieser mündete in der vergangenen Woche im Schnitt in 14.416 Neuinfektionen pro Tag, nach 11.332, 8.715, 8.189, 7.725, 7.220, 8.290, 10.450, 12.900, 15.700 und 21.000 in den Vorwochen. Eine Steigerung um ca. 5.700 Neuinfektionen pro Tag binnen zwei Wochen ist ausgesprochen übel.

Nun zum Ländervergleich. Bayern liegt heute auf Platz 8 (Vorwoche 7) mit einer 7-Tage-Inzidenz von 114, nach 96, 77, 68, 58, 55, 64 und 83. Diese Zahlen zeigen die bundesweit eingetretene strukturelle Aufwärtsdynamik, die außerhalb Bayerns augenscheinlich noch stärker wirkt. Dass sich Bayern trotz eines Anstiegs um 18 „Punkte“ binnen Wochenfrist im Ranking um einen Platz verbessert, sagt viel darüber, was andernorts gerade geschieht. Insgesamt zehn Länder verzeichnen nun eine 7-Tage-Inzidenz über 100. Den höchsten Wert muss Thüringen mit weiter verschlechterten 220 (138) hinnehmen, den günstigsten verbucht wieder Schleswig-Holstein mit 60 (56). Der Durchschnittswert aller Bundesländer liegt bei 113 (90).

Dass sich das Infektionsgeschehen ungünstig entwickelt, hängt entscheidend mit der Verbreitung der britischen Mutation B.1.1.7. zusammen, denn diese ist deutlich ansteckender als der ursprüngliche Wildtyp oder andere Varianten wie etwa die südafrikanische B.1.351. Wurde vergangene Woche noch in ca. 60 Prozent der positiven PCR-Tests B.1.1.7. nachgewiesen, ist dies nunmehr deutschlandweit bereits in 72 Prozent der Fall. Das erklärt auch, warum aktuell andere Bundesländer rasanter von der Welle erfasst werden als Bayern. Denn während wir speziell aus der Grenzlage zu Tschechien herrührend schon länger intensiver mit B.1.1.7. zu tun haben, war in den nördlicher gelegenen Ländern noch der vergleichsweise gutmütigere Wildtyp präsenter. Das ändert sich gerade mit den skizzierten Folgewirkungen. Insgesamt sieht es ganz danach aus, dass es nur noch eine Frage von Tagen oder wenigen Wochen ist, wann B.1.1.7. in ganz Deutschland völlig dominieren wird.

Ein statistisches Kernelement der Beurteilung der Lage ist seit jeher die Positivrate, also die Zahl der laborpositiven Tests im Verhältnis zu deren Gesamtzahl. Die Positivrate lag in Bayern in den zurückliegenden Tagen zwischen 4,0 und 5,0 Prozent (Vorwoche: 3,1 und 4,2) und steigt damit weiter, nunmehr aber deutlich an. Dieser Befund bestätigt aus einem anderen Blickwinkel die Zunahme der Neuinfektionen, nachdem die Zahl der in Bayern vorgenommenen PCR-Tests mit einem 7-Tage-Mittel von ca. 61.500 (Tageshöchstwert ca. 85.000 PCR-Tests) in etwa auf dem Niveau der Vorwochen verharrt.

Angesichts dieser Gesamtlage verwundert es nicht, dass auch in den Regionen Bayerns die Infektionszahlen tendenziell steigen, dies allerdings regional unterschiedlich verteilt. Hierbei setzt sich das Bild der letzten Wochen und Monate fort, dass insbesondere ein Gürtel entlang der bayerisch-tschechischen Grenze überproportional betroffen ist. Dabei besteht die Stabilisierung auf (viel zu) hohem Niveau fort, auch wenn wir heute mit der Stadt Hof leider wieder eine Gebietskörperschaft jenseits der 400er-Marke haben, konkret bei 403,7. Dafür ist das Segment mit einer 7-Tage-Inzidenz zwischen 300 und 400 unbesetzt. Neben der am härtesten getroffenen Hochfranken-Metropole bleibt weiterhin der Nordosten Bayerns das Sorgenkind. Es folgen die Landkreise Cham (290), Schwandorf (282), Hof (271), Kulmbach (251), Kronach (229), Amberg-Sulzbach (222) und Wunsiedel (213), ehe die 200er-Grenze unterschritten ist. Über der im Sinne der Maßnahmen-Matrix entscheidenden Marke von 100 Neuinfektionen binnen 7 Tagen liegen nunmehr 50 Landkreise und kreisfreie Städte, die, soweit dieser Wert mehr als drei Tage hintereinander überschritten bleibt, mit diversen Einschränkungen des öffentlichen Lebens einschließlich einer nächtlichen Ausgangssperre von 22:00 Uhr bis 05:00 Uhr umzugehen haben. Unter 100, aber über 50 liegen leider nur mehr 37 Gebietskörperschaften und unter 50 findet sich im positiven Sinne „einsam und verlassen“ allein die Stadt Ansbach mit einem Wert von 35,9.

In Bayern sind an oder mit einer Corona-Infektion mittlerweile 13.089 Personen verstorben. Das sind im Vergleich zum vorigen Donnerstag 181 oder pro Tag ca. 25,9 Fälle mehr, nach 24,0, 26,9, 39,1, 42,0, 73,7, 82,6, 111,7, 117,9, 125,1, 134,4 bzw. 107,7 in den Wochen davor. Auch wenn natürlich jeder Sterbefall tragisch und einer zu viel ist, so liegt in dieser Entwicklung doch die gute Nachricht, dass trotz jetzt doch schon einige Wochen wieder zunehmender Neuinfektionen die Corona-bezogenen Sterbefälle, nicht zuletzt wegen der Impfungen, ohne nennenswerten Anstieg auf demselben Niveau verbleiben. Bleibt zu hoffen, dass dieser Zusammenhang auch trotz einiger deutlich werdender Hinweise aus den Kliniken bestehen bleibt, wonach die britische Mutante B.1.1.7. doch nicht nur ansteckender, sondern auch im Krankheitsverlauf gravierender sein könnte als der Wildtyp. Gravierender, weil auch kerngesunde Menschen mittleren Alters, also zwischen 40 und 60 immer häufiger intensivpflichtig erkranken. Gravierender, weil sich der Gesundheitszustand nicht selten binnen Tagesfrist von „auf eigenen Beinen in die Klinik gekommen“ bis „bei künstlicher Beatmung im Koma auf der Intensivstation liegend“ rapide grundlegend verschlechtert und ohne sofortige Intensivbehandlung im wahrsten Sinne des Wortes alles zu spät wäre. Und gravierender, weil die durchschnittliche Verweildauer pro Patient länger wird. Letzteres hat natürlich auch damit zu tun, dass „mittelalterliche Patienten“ insgesamt widerstandsfähiger sind, als es die vormals dominierenden 80plus Patienten waren, bei ihnen auch die letzten, besonders belastenden Register zieht, die man hochbetagten Patienten nicht mehr zumuten wollte oder die diese viel öfter mittels einer Patientenverfügung selbst ausgeschlossen hatten. Das macht die Sache aber nicht besser und das alles zeigt sich in Ansätzen auch in bayerischen Kliniken, wo es im Einzelfall zur Entlastung oberfränkischer und oberpfälzischer Kliniken zu ersten Abverlegungen in Kliniken anderer Bezirke kommt. Umso deutlicher zeigt sich diese Entwicklung bereits in Tschechien und Österreich, die schon eine etwas längere Geschichte mit B.1.1.7. erleben und insoweit im Pandemieverlauf ein paar Wochen vor uns liegen.

In der Zusammenschau aller Faktoren, Parameter und Lagefelder will sich vorösterliche Freude nicht so recht einstellen. Wir könnten in den kommenden Wochen wieder vor schwierige Entscheidungen gestellt sein. Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt.

Zum Abschluss des Statistikblocks noch der hoffnungsvolle Blick auf die Impflage. Wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt, dann wird morgen der oder die 2.000.000ste Bayer/in die Erstimpfung erhalten und ca. 650.000 auch schon die Zweitimpfung haben. In der besonders im Fokus stehenden Altersklasse der Ü80 haben mittlerweile 66 Prozent der gesamten Altersgruppe die Erstimpfung erhalten. Wenn man davon ausgeht, dass es auch in dieser Kohorte Impfverweigerer gibt, dann biegen wir hier langsam in die Zielkurve ein. Und auch bei der Polizei kommen wir gut voran, denn mittlerweile haben ca. 17.000 Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte eine Erstimpfung erhalten und sind somit bereits jetzt deutlich besser geschützt, als das noch vor zwei Monaten der Fall war. Das halte ich in Anbetracht eines deutlich schwieriger werdenden Umgangs mit dem „klassischen“ Corona-Leugner-Klientel für absolut notwendig und bin froh, dass wir hier in puncto Schutz der Polizei im Vergleich der Länder an der Spitze stehen.

Liebe Leserinnen und Leser, dass es vor heiligen Zeiten wie Weihnachten, Pfingsten oder Ostern in der Arbeit, im Dienst oder zu Hause gerne mal turbulent zugeht, weil vor den Feiertagen noch ganz viel erledigt werden muss und dabei alles perfekt sein soll, womöglich in der Hektik und im Eifer des Gefechts dann aber nicht alles rund läuft und das ein oder andere Missgeschick passiert, das kennen wir alle. An diese „hochfestlichen Inzidenzen“ habe ich mich mit Blick auf die Corona-bezogenen politischen Abläufe dieser Woche ein Stück weit erinnert gefühlt. Innerhalb von zwei Tagen ist ein temporäres politisches Durcheinander entstanden, das glücklicherweise zwischenzeitlich aufgelöst ist und in der Rückschau betrachtet gleichsam „mit Ansage“ kam. Denn die Beratungen der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder im Rahmen der sog. Ministerpräsidentenkonferenz, kurz MPK, standen unter einem enormen Handlungsdruck. Zudem zerrten an der MPK extrem starke und dabei auseinanderstrebende Kräfte, die gegeneinander auszugleichen geradezu ein Ding der Unmöglichkeit ist, sodass am Ende aus der angestrebten österlichen Ruhe eine beispiellose vorösterliche Unruhe wurde.

Natürlich ist in den zurückliegenden Wochen und Monaten auch sonst nicht alles optimal gelaufen. Wie hätte es das auch angesichts einer Lage, die in dieser Form zuvor kein derzeit politisch Verantwortlicher und keine Staatsverwaltung auch nur ansatzweise erlebt haben. Manche Missgeschicke und Fehler waren auch hausgemacht. Ich denke dabei an Kommunikationsdefizite, aus denen in diesen aufgewühlten Zeiten leicht ein Megaaufreger werden kann. So etwa die seitens des Bundes innerstaatlich nicht abgestimmte Ausstufung von Mallorca als Risikogebiet, die prompt gleichsam „über Bande“ eine hoch emotionale Debatte um die Frage losgetreten hat, warum man zu Ostern womöglich auf die spanische Ferieninsel Mallorca, aber nicht ins schleswig-holsteinische Malente oder auf die niedersächsische Insel Baltrum darf. Ich denke an die mangelnde Erläuterung des kurzfristigen Stopps der Verimpfung des Präparates von AstraZeneca – und vieles weitere. Aber bei all den Unzulänglichkeiten muss man immer wieder sagen, dass auch sehr viel sehr gut läuft, aber eben gerne mal nicht so prominent behandelt wird, weil nach dem Prinzip „blood, sweat and tears“ das dramatische Fach einfach spannender ist, als den Erfolg anderer anzuerkennen. Besonders spannend finde ich es immer wieder, wenn sich Abgeordnete der Opposition in Berlin in Positur werfen und der Bundesregierung totales Versagen vorwerfen, obwohl sie selbst Gelegenheit gehabt hätten, in diese Bundesregierung einzutreten, Verantwortung zu übernehmen und natürlich alles besser zu machen. Das mag man als nachrangige Episode abtun, aber es passt in ein aktuell ungewöhnlich aufgeladenes Stimmungsbild, das in seiner drohenden Überspannung Gefahren birgt. Wir müssen aktuell schon aufpassen, dass wir als Gesellschaft nicht ein Stück weit den Kompass verlieren oder uns gar in eine kollektive Depri-Stimmung mit angeschlossener Abwärtsspirale reden und schreiben. Dass das nicht passiert, ist nicht nur die Verantwortung aller politischen Akteure und Medien, sondern letztlich eines jeden einzelnen, egal, ob er in der Familie oder mit Freunden diskutiert oder selbst in den sozialen Medien aktiv ist. Kritik, Diskurs und politischer Streit sind essentiell für eine Demokratie, dauernde Herabwürdigung und Verächtlichmachung ihrer Organe und Akteure rütteln aber an deren Grundfesten.

Dass es aktuell durchaus ans Eingemachte geht, das legen auch Beobachtungen rund um das Phänomen der sog. „Querdenker“ nahe. Ich habe mich seit Beginn der Pandemie stets dafür eingesetzt, dass auch und gerade die Kritiker der Maßnahmen sich Gehör verschaffen können. Denn die Möglichkeit zur Artikulation abweichender Meinungen ist ein prägendes Kernelement, ja geradezu die Stärke eines demokratischen Rechtsstaates und deshalb müssen auch in der aktuellen Lage Demonstrationen möglich sein. Dies freilich friedlich und unter Beachtung der geltenden Gesetze, zu denen natürlich auch die entsprechenden Infektionsschutzmaßnahmen zählen. Es bereitet mir erhebliches Unbehagen, dass sich Teile dieser Szene zusehends radikalisieren. Das bekommt ganz konkret die Polizei zu spüren. Zum einen versuchen einzelne Organisatoren über eine gezielte Steuerung der Teilnehmer via Social Media, eine Art Kleingruppentaktik mit 50, 60 parallel stattfindenden kleinen „Spontanversammlungen“ zu etablieren und so die behördlichen Auflagen zu unterlaufen. Derlei „Spontanaktionen“ lösen sich nach kurzer Dauer in die Masse der Passanten hinein genauso schnell wieder auf, wie sie aus dieser heraus zuvor flashmobartig aufgeploppt sind. Corona-Regeln werden dabei als bewusst gewähltes Mittel der Stimmungsmache missachtet, der provozierend zur Schau gestellte Rechtsbruch wird vor Ort und im Livestream zum Instrument der Verhöhnung des vermeintlich wehrlosen Staates. Zudem wird immer öfter und unter bewusster Inkaufnahme gravierender Gesundheitsschäden nach Einsatzkräften getreten, gespuckt und geschlagen, da werden Zivilbeamte überfallen, um ihnen die Schusswaffe zu rauben, und es wird versucht, eine Stimmung des Aufruhrs zu erzeugen, in der der Staat als verbrecherisches Ungeheuer dargestellt wird, das im Auftrag „finsterer Mächte“ – hier werden immer wieder antisemitische bzw. rassistische Stereotype bedient – gegen seine eigenen Bürger agiert und gegen den man deshalb mit allen Mitteln Widerstand leisten darf, ja sogar muss. Wer ein solches Hirngespinst gewaltbereit verbreitet, kämpft gegen den Rechtsstaat, betreibt den Systemsturz, ist eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung und macht sich so selbst zum einem Fall für den Verfassungsschutz. Deshalb habe ich letzte Woche den Bayerischen Landtag darüber informiert, dass das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz nun intensiv prüft, ob unabhängig von herkömmlichen rechtsextremistischen Bestrebungen bei einzelnen Protestinitiativen gegen Corona-Beschränkungsmaßnahmen extremistische Beeinflussungen oder sicherheitsgefährdende Bestrebungen vorliegen. Zudem wird sich die Polizei gezielt auf die neuen taktischen Herausforderungen einstellen und den geschilderten Umtrieben künftig noch schneller ein Ende machen.

Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Es geht überhaupt nicht darum, abweichende Meinungen zu behindern. Es geht allein darum, denjenigen Führungsfiguren in dieser Szene auf die Finger zu schauen, die für ihre unlauteren Ziele die Sorgen und Nöte der Menschen zu missbrauchen suchen. Unseren Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten, die sich täglich vor derlei Herausforderungen gestellt sehen, möchte ich von Herzen für ihren mutigen und umsichtigen Einsatz danken, mit dem sie die Sicherheit der Menschen in Bayern bewahren.

In dem skizzierten, sehr komplexen Geflecht aus einer Verschärfung der Infektionslage, aus einer gegenläufigen Erwartungshaltung vieler Menschen, aus einer überhitzten medialen Betrachtung und einem vermeintlich enormen Zeitdruck, der aus dem nahenden Osterfest herrührte, ist letztlich eine Fehleinschätzung entstanden, die zu der teilweisen Rücknahme der MPK-Beschlüsse vom vergangenen Montag geführt hat. In der Nachtsitzung nach fast 15 Stunden Dauer hat niemand mehr erkannt, dass es angesichts der bundesstaatlichen Kompetenzordnung schlicht unmöglich ist, bis nächste Woche rechtssicher den Gründonnerstag und den Karsamstag einmalig zu Feiertagen zu erklären. Gestern wurde der Fehler dann erkannt und korrigiert. Natürlich hat mich dieser Vorgang als solcher geärgert, weil er gewiss nicht zur Bildung von Vertrauen bei den Menschen im Lande beigetragen hat.

Liebe Leserinnen und Leser, soviel zur Einordnung der Corona-politischen Wendungen dieser Woche. Und wie geht es nun in Bayern weiter? Nach der Kehrtwende im Wesentlichen unverändert. Die bestehenden Beschränkungen bleiben über Ostern bestehen und ich appelliere angesichts der skizzierten möglichen Szenarien dringend an alle, auch weiterhin Vorsichtig zu bleiben und strikt die Regeln zu beachten. Nächste Woche werde ich den Fokus des Newsletters dann auf die für das Ende der Osterferien avisierten Lockerungen und perspektivischen Aufhellungen legen. Haben Sie einen schönen Palmsonntag und kommen Sie gut in die Karwoche!

Menschen machen Fehler – Menschlichkeit macht Mut!

Mit besten Grüßen
Ihr


Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


Ihr


Gerhard Eck, MdL
Staatssekretär


112 Newsletter vom 18. März 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

beginnen möchte ich auch heute mit den wesentlichen Kerndaten der aktuellen Pandemielage. Heute, Donnerstag, 18. März 2021, 08:00 Uhr, verzeichnen wir in Bayern insgesamt 465.296 bestätigte COVID-19-Infektionen. Im Vergleich zum Donnerstag der letzten Woche, bis zu dem 452.078 Infektionen gezählt worden waren, sind dies 13.280 Fälle mehr. Für die zurückliegenden sieben Tage ergibt sich daraus ein rechnerischer Schnitt von ca. 1.888 Neuinfektionen. Für die vorangegangenen Wochen lagen die Vergleichswerte bei 1.496, 1.320 1.104, 1.093, 1.263, 1.646, 1.909, 2.366, 3.265, 3.143, 3.203, 3.912, 4.172, 3.638, 3.475, 3.606, 3.432, 3.597, 2.918, 2.153, 1.243, 652 bzw. 372. Die aus dem Zahlenverlauf sprechende Entwicklung der Neuinfektionen zeigt einen Anstieg an, der irgendwo im Niemandsland zwischen linear und exponentiell liegt. Der Anstieg lässt sich nur zum Teil mit einem intensivierten Umfang an Testungen erklären, denn deren Zahl liegt in dieser Woche bei einem 7-Tage-Schnitt von ca. 57.000, der Tagesspitzenwert betrug 74.000. Beides ist im oberen Bereich der Wochenvergleichszahlen und stellt deshalb keinen Ausreißer dar, der über die Zeit die Vergleichbarkeit der Einzelwerte beeinträchtigen würde. Das Bundeslagebild skizziert für ganz Deutschland einen ähnlichen Trend. Es weist im Schnitt 11.332 Neuinfektionen pro Tag aus, nach etwa 8.715, 8.189, 7.725, 7.220, 8.290, 10.450, 12.900, 15.700 und 21.000 in den Vorwochen.

Nun zum Ländervergleich. Bayern liegt heute mit einer 7-Tage-Inzidenz von 96 – Vorwochen 77, 68, 58, 55,3, 63,6 und 83,1 – auf Platz 5. Das ist eine unerfreuliche Entwicklung. Die höchste 7-Tage-Inzidenz verzeichnet weiterhin Thüringen mit einem neuerlich verschlechterten Wert von 180 (138). Den günstigsten Wert kann auch heute Schleswig-Holstein mit verschlechterten 56 (46) verbuchen, der Durchschnittswert aller Bundesländer liegt bei 90 (69).

Insgesamt gesehen entwickelt sich damit das Infektionsgeschehen ungünstig. Die Gründe sind vielfältig. Da spielt natürlich die bei vielen Menschen aus einer gewissen Erschöpfung heraus geringer werdende Disziplin bei der Einhaltung der AHA-Regeln eine Rolle. Es mag zum Teil auch etwas mit den Lockerungen der letzten Wochen zu tun haben, wie manche Experten glauben. Meines Erachtens entscheidend ist aber der Umstand, dass mittlerweile die britische Mutation B.1.1.7 mit ihrer deutlich erhöhten Infektiosität das Infektionsgeschehen dominiert. Die Untersuchung mehrerer repräsentativer Stichproben, die aus der Gesamtheit der positiven PCR-Test genommen wurden, legt den Verdacht nahe, dass mittlerweile gut 60 Prozent der Neuinfektionen auf B.1.1.7 zurückgehen. Demgegenüber spielt die nochmals gesteigert ansteckende Südafrikavariante B.1.351 bislang Gott sei Dank keine entscheidende Rolle. Von den im Rahmen des Sondermeldedienstes „Virusmutationen“ gemeldeten etwa 24.300 Mutationsfällen beziehen sich nur ca. 220 auf die südafrikanische Mutation B.1.351, aber ca. 16.300 auf die britische Variante B.1.1.7. Zudem konzentrieren sich die B.1.351-Fälle auf wenige Cluster in den Räumen Augsburg, Landsberg am Lech und Traunstein, wo man diese Ausbrüche augenscheinlich effektiv einhegen konnte.

Ein statistisches Kernelement der Beurteilung der Lage ist seit je her die Positivrate, also die Zahl der laborpositiven Tests im Verhältnis zu deren Gesamtzahl. Die Positivrate lag in Bayern in den zurückliegenden Tagen zwischen 3,1 und 4,2 Prozent (Vorwoche: 2,8 und 3,7) und steigt damit weiter leicht an, was angesichts einer generellen Zunahme der Neuinfektionen bei in etwa gleichbleibenden Testzahlen ein insgesamt schlüssiges Bild ergibt.

Zu diesem Befund eines Anstiegs der Neuinfektionen passt auch weiterhin die aktuelle Entwicklung der Reproduktionszahl R. Diese gibt an, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er selbst gesundet oder verstirbt. R schwankt in den letzten Tagen zwischen 1,0 und 1,27. Das bedeutet, dass bei einer Fortsetzung dieses Effektes die absolute Zahl der Infizierten weiter steigen wird.

Angesichts dieser Gesamtlage verwundert es nicht, dass auch in den Regionen Bayerns die Infektionszahlen tendenziell steigen, dies allerdings regional unterschiedlich verteilt. Hierbei setzt sich das Bild der letzten Wochen und Monate fort, dass insbesondere ein Gürtel entlang der bayerisch-tschechischen Grenze überproportional betroffen ist. Glücklicherweise ist insoweit eine Stabilisierung eingetreten, als weder die absoluten Zahlen in den Grenzlandkreisen exponentiell steigen, noch – wohl als Folge der Grenzkontrollen – sich die 7-Tage-Inzidenzen an die in Tschechien herrschenden Extremwerte angleichen. Dort liegt die landesweite Inzidenz bei fast 800 – in Bayern bei 98, s.o. – und in einzelnen tschechischen Grenzbezirken bei ca. 1.600.

Am härtesten getroffen ist momentan der oberfränkische Landkreis Kulmbach mit einer 7-Tage-Inzidenz von 313, gefolgt vom Landkreis Cham mit 243, dem Landkreis Kronach mit 241, der Stadt Amberg mit 239, dem Landkreis Schwandorf mit 234, der Stadt Hof mit 220 sowie dem Landkreis Wundsiedel mit 211. Diese Reihung zeigt, dass Ost- und vor allem Nordostbayern besonders betroffen sind. Die damit einhergehenden Werte zeigen aber auch, dass mit den Grenzkontrollen und den flankierenden Hygienemaßnahmen wie Testpflicht, Digitale Einreiseanmeldung und Quarantäne ein ungebremstes Überschwappen der in Tschechien zu verzeichnenden Höchststände bis dato verhindert werden konnte.

Im Binnenland zeigt sich die steigende Tendenz der Neuinfektionen vor allem darin, dass die Zahl der Gebietskörperschaften mit günstigen und sehr günstigen Werten stetig abnimmt und im Gegenzug die ungünstigeren Kategorien an Stärke zunehmen. Nach den aktuell verfügbaren Zahlen liegt allein der Landkreis Kulmbach jenseits der 300er-Marke. Zwischen 200 und 300 sortieren sich 7 Gebietskörperschaften ein, zwischen 100 und 200 liegen 30, und in der in Bezug auf die Lockerungen besonders relevanten Kategorie von 50 bis 100 finden sich nunmehr 47 Gebietskörperschaften. Unter einer 7-Tage-Inzidenz von 50 liegen leider nur noch 11 (22) Kommunen, von denen lediglich eine (7) einen Wert unter 35 verbuchen kann. Am besten steht momentan der Landkreis Landsberg am Lech da.

Die Zahl der Neuinfektionen ist für die Einschätzung der Lage ohne jeden Zweifel die Kerngröße. Daneben besitzen aber auch andere Parameter wie Sterbefälle und Hospitalisierungen eine erhebliche Aussagekraft, um die Lage und vor allem ihre Dramatik zu kennzeichnen. In Bayern sind an oder mit einer Corona-Infektion mittlerweile 12.908 Personen verstorben. Das sind im Vergleich zum vorigen Donnerstag 168 oder pro Tag 24 Fälle mehr, nach 26,9, 39,1, 42,0, 73,7, 82,6, 111,7, 117,9, 125,1, 134,4 bzw. 107,7 in den Wochen davor. Auch wenn natürlich jeder Sterbefall tragisch und einer zu viel ist, so liegt in dieser Entwicklung doch die gute Nachricht, dass trotz jetzt doch schon einige Wochen wieder zunehmender Neuinfektionen die Corona-bezogenen Sterbefälle, nicht zuletzt wegen der Impfungen, zurückgehen. Wenn dieser Trend sich stabil zeigt, dann wird man diesen Effekt auch bei der Wahl der Corona-Maßnahmen in geeigneter Weise berücksichtigen müssen.

Dies gilt umso mehr, wenn sich die Zahl der aktiv infizierten Personen, vor allem aber auch die der klinikpflichtigen Patientinnen und Patienten, weiterhin so stabil zeigt, wie dies aktuell der Fall ist. Von den aktuell 25.090 aktiv mit COVID-19 infizierten Personen, also denen, die sich in der Phase zwischen der nachweisbar gewordenen Ansteckung und der Überwindung der Infektion befinden, liegen derzeit 1.705 (1.682) auf einer Normalstation und 525 (Vorwochen: 501, 483, 508, 541, 622, 710, 762, 872, 937, 969, 902, 860, 791, 726, 683, 530, 491 bzw. 367) auf „Intensiv“. Bei aller Vorsicht deuten diese Zahlen darauf hin, dass sich aktuell mehr Menschen wieder mit Corona aktiv infizieren, sich diese Zunahme aber zum Glück zumindest noch nicht in gleichem Maße bei den schweren Krankheitsverläufen widerspiegelt.

Liebe Leserinnen und Leser, zum Thema „Umgang mit den Corona-Gefahren“ gehören natürlich auch die seuchenrechtlich begründeten Grenzkontrollen, wie sie derzeit von der Bundespolizei mit Unterstützung der Bayerischen Grenzpolizei gegenüber Tschechien und dem österreichischen Bundesland Tirol vollzogen werden. Beide Gebiete gelten nach Einschätzung des RKI als Virusmutationsgebiet. In Bezug auf Tschechien begründet sich diese Einstufung mit dem vor einigen Wochen explosionsartigen Auftreten der britischen Mutation B.1.1.7, in Bezug auf Tirol lag das Problem in einem starken Cluster der südafrikanischen Mutation B.1.351 und einem zunächst unkoordinierten und aus der Perspektive des angrenzenden Nachbarn wenig vertrauenserweckenden Umgang mit dieser nochmals deutlich ansteckenderen und wohl auch infektiöseren Mutation. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung gestern die Anordnung der Grenzkontrollen bis zum 31. März 2021 verlängert. Bei Tschechien muss man mal sehen. Das Land hat mittlerweile scharfe Maßnahmen ergriffen, die erst langsam zu greifen beginnen und der entscheidende Umschwung wird noch etwas dauern. Im Falle Tirols sehe ich durchaus Fortschritte bei der Eindämmung der südafrikanischen Variante B.1.351. Deshalb hege ich eine gewisse Hoffnung, dass das RKI in absehbarer Zeit Tirol wieder zu einem „normalen“ Risikogebiet herabstufen könnte. Dies hätte natürlich auch Auswirkungen auf den Vollzug der Einreisequarantäneverordnung (EQV) und der Grenzkontrollen.

Ein weiteres großes Thema dieser Woche ist der vorläufige Impfstopp für das Vakzin von AstraZeneca. Es ist natürlich ausgesprochen misslich, dass in einer Situation, in der ohnehin Impfstoff Mangelware ist, das in Bezug auf die Kühlkette am einfachsten zu handhabende Mittel vorläufig gesperrt ist. Ich habe die Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts nicht weiter zu kommentieren, angesichts von wohl 7 Meldungen über Hirnvenenthrombosen, die im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen aufgetreten sind und mit denen zwei Todesfälle in Verbindung gebracht werden, die Impfungen mit AstraZeneca für zwei Wochen auszusetzen. Hirnvenenthrombosen der hier in Rede stehenden Art treten allgemein wohl nur selten auf, aber auch nicht so selten, als dass im Vergleich dazu sieben Fälle nach ca. 1,6 Millionen Impfungen einen totalen Ausreißer darstellen würden. Jetzt muss schnell geklärt werden, ob es sich überhaupt um eine Nebenwirkung der Impfung handelt oder lediglich um ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen ohne ursächlichen Zusammenhang. Denn andere Krankheiten treten auch mit COVID-19-Impfung natürlich weiter genauso auf, wie es ohne diese Injektion der Fall ist. Das gilt ausdrücklich auch für Thrombosen und Embolien, die mit zu den häufigsten klinischen Krankheitsbildern zählen. Und selbst wenn alle sieben Fälle aus insgesamt 1,6 Millionen Verabreichungen mit diesen ursächlich zusammenhängen würden, dann wäre das statistische Risiko, eine solche Thrombose zu erleiden oder gar daran zu sterben, deutlich niedriger, als es sich ergibt, wenn man die mittlerweile ca. 74.000 Corona-verbundenen Todesfälle mit der Gesamtbevölkerung Deutschlands von ca. 83 Millionen Menschen ins Verhältnis setzt. Im Vereinigten Königreich wurde AstraZeneca bereits 11 Millionen Mal verimpft, ohne dass besondere Auffälligkeiten berichtet würden, die im Widerspruch zu den Teststudien stünden.

Es wird deshalb in der Fachwelt heftig diskutiert, ob man diesen ziemlich radikalen Schritt des Impfstopps gehen musste, oder ob es nicht auch einen Mittelweg gegeben hätte, der gleichermaßen umgehend Sicherheit geschaffen hätte, ohne die Impfkampagne empfindlich zu stören. Ich freue mich, dass die Europäische Arzneimittelagentur EMA, die gemeinsam mit den nationalen Gesundheitsbehörden der EU sowie von Großbritannien nun umfangreiche Datenmengen zielgerichtet auf die hier in Rede stehenden Fragen ausgewertet hat, Klarheit geschaffen hat und die Fortsetzung der Impfungen mit AstraZeneca empfiehlt. Ich hoffe, dass in der Folge das Bundesgesundheitsministerium den Wirkstoff möglichst bald wieder zulässt und wir in Bayern unverzüglich im Allgemeinen sowie bei der Polizei im Speziellen mit dem Impfprogramm fortfahren können. Bis zum vorläufigen Stopp am Montagnachmittag hatten wir gut 11.000 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte mit AstraZeneca geimpft und ich gehe schon davon aus, dass die weiteren ca. 10.000 Dienstkräfte der Bayerischen Polizei, die sich für eine Impfung gemeldet hatten, nach einer neuerlichen Freigabe des Wirkstoffes bei der Stange bleiben und sich von dem kurzen Stolperer im Impfgeschehen nicht verunsichern lassen. Denn Impfen ist der einzig tragfähige Weg, der nachhaltig und dauerhaft aus der Pandemie führen wird. Wäre ich mit dem Impfen an der Reihe und stünde ich vor der Frage „AstraZeneca oder nicht“, ich würde keine Sekunde zögern und mich impfen lassen.

Abschließend darf ich auf ein Jubiläum hinweisen, auf das ich liebend gerne verzichtet hätte. Auf den Tag genau 100 Tage ist es heute her, dass ich im Laufe der Corona-Pandemie zum zweiten Mal den Katastrophenfall für ganz Bayern feststellen musste. Ich räume freimütig ein, dass ich am 8. Dezember 2020 nicht mit einem so langen Andauern dieses Zustandes gerechnet hatte. Und aktuell lässt sich auch nicht wirklich abschätzen, wie lange uns die Pandemie noch mit ihrer katastrophischen Kraft in Atem halten wird. Sehr viel hängt jetzt davon ab, wie sich die Menschen in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten verhalten werden. Natürlich gönne ich jedem und jeder den Urlaub. Aber ob aktuell die Zeit dafür ist, sich z.B. massenhaft in vollgepfropften Flugzeugen in Richtung von Mittelmeerinseln in Bewegung zu setzen, da hege ich doch gewisse Zweifel. „Stay local, genieße die örtlichen touristischen Angebote und vor allem die Natur vor Ort“ scheint mir für dieses Ostern das überzeugendere Konzept und nutzt im Übrigen auch der heimischen Wirtschaft mehr als baden, wandern oder „ballern“ auf Malle.

Wie auch immer: Nach 100 Tagen Kat-Fall kann ich nur einmal mehr ein herzlichstes Vergelt`s Gott in Richtung all derer sagen, die tagtäglich mit ihrem enormen persönlichen Einsatz unaufgeregt, höchst effektiv und effizient ihren Beitrag dazu leisten, dass aus der Pandemie kein unbeherrschbarer Blick in den Abgrund wurde und wird, wie es etwa Italien, Großbritannien, Spanien, die USA und andere Staaten phasenweise zumindest in Teilen erleben mussten. Ich kann unmöglich alle helfenden Hände und Köpfe aufzählen (einige können Sie sich in einem Video ansehen, das Sie hier abrufen können). Deshalb darf ich an dieser Stelle – neben dem medizinischen und pflegenden Personal in Kliniken, Praxen, Heimen und ambulanten Diensten – zuvorderst natürlich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Führungsgruppen Katastrophenschutz im Innenministerium, bei den Regierungen, Landratsämtern und in den Verwaltungen der kreisfreien Städte, die Haupt- und Ehrenamtlichen bei den Hilfsorganisationen und privaten Rettungsdienstunternehmen, den Feuerwehren, den Staatlichen Feuerwehrschulen, den Integrierten Leitstellen, dem Technischen Hilfswerk, der Polizei, der Bundespolizei und der Bundeswehr dankend erwähnen (zu meinem Video-Grußwort klicken Sie hier). Aber nicht nur sie, die „Blaulichter“ und Uniformträger, geben ihr Bestes im Dienste am Menschen. Nicht minder wichtig ist der Dienst all derer, die aus den unterschiedlichsten Verwaltungszweigen kommend abgestellt sind, um im Contact Tracing zu unterstützen, Überbrückungshilfen zu bewilligen und Fördergelder auszuzahlen, den Betrieb in Test- oder Impfzentren zu organisieren oder trotz häufig wechselnder Inzidenzwerte an den Lern- und Studienorten die Kontinuität in der Ausbildung des in den Behörden so dringend benötigten Nachwuchses sicherzustellen – von der Bayerischen Verwaltungsschule bis zur Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern. Sie alle stellen in höchst beeindruckender Weise unter Beweis, dass auf den öffentlichen Dienst in Bayern absolut Verlass ist, egal, wie lange die Katastrophe dauert.

Danke, denn Sie machen den Unterschied!

Mit besten Grüßen
Ihr


Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister

Am 16.03.2020 um 10.08 Uhr hat Ministerpräsident Dr. Markus Söder erstmals den landesweiten Katastrophenfall aufgrund des sich rasch ausbreitenden Corona-Virus ausgerufen. In diesem Jahr hat sich für die Bevölkerung, aber auch für uns Feuerwehren vieles entscheidend verändert. Der erste landesweite K-Fall dauerte bis zum 16.06.2020. Nach ein paar Wochen trügerischer Ruhe stiegen die Infektionszahlen nach den Sommerferien wieder schlagartig an, so dass ab dem 09.12.2020 erneut der K-Fall ausgerufen wurde, der bis heute andauert.

Wir Feuerwehren sind aufgrund des Art. 7 Abs. 3 Nr. 4 BayKSG ausdrücklich zur Katastrophenhilfe verpflichtet.

Dem Hilfeersuchen des Landratsamtes als der für uns zuständigen Katastrophenschutzbehörde wurden wir in diesem Jahr mehr als gerecht.

Rückblickend möchten wir beispielhaft einige unserer Tätigkeiten auflisten:

  • Mitarbeit in der Führungsgruppe Katastrophenschutz
  • Betrieb der Kommunikationsverbindungen und Sicherstellung einer 24-stündigen Erreichbarkeit der FüGK durch die KomFü
  • Aufbau und Betrieb eines Beschaffungs- und Verteilzentrums für Schutzausrüstung in Goldbach
  • Mitarbeit bei der Planung eines Hilfskrankenhauses
  • Verteilung von Maskenvlies zum Selbstnähen eines Mund-Nasenschutzes
  • Verlegung von Corona-Infizierten in Senioren- und Pflegeheimen
  • Aufbau und Betrieb von Corona-Testzentren in Alzenau-Hörstein, Aschaffenburg-Damm und in Kahl am Main
  • Betrieb einer mobilen Testeinheit für PCR-Tests
  • Täglicher Transport von Teströhrchen in ein Untersuchungslabor nach Bad Kissingen
  • Unterstützung beim Herrichten einer Corona-Schwerpunktpraxis in Mespelbrunn-Hessenthal
  • Verpackung und Versand von rund 30.000 FFP2-Masken
  • Mitwirkung und Betrieb von Testzentren für Corona-Schnelltests


Unsere Tätigkeiten sind vielfältig! Wir sind es gewohnt zu improvisieren, haben jede Menge Spezialisten in unseren Reihen und leisten schnell und unbürokratisch Hilfe, wenn diese angefordert wird.

Dafür möchten wir uns bei allen Feuerwehrangehörigen wieder einmal ganz herzlich bedanken.

Wie bereits eingangs erwähnt, befinden wir uns nach wie vor im Katastrophenfall. Die Corona-Pandemie ist noch lange nicht vorbei. Wir fürchten, dass nach der ersten Reisewelle nach Ostern das Infektionsgeschehen wieder deutlich zunimmt.

Bei einem Hilfeersuchen der Katastrophenschutzbehörde sind wir als Feuerwehren zur Katastrophenhilfe verpflichtet. Wir bitte alle Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner auch weiterhin so aktiv wie bisher bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie mitzuhelfen und sich in unsere gemeinsame Arbeit einzubringen. Hoffentlich führen die Anstrengungen beim Impfen, das vermehrte Testen und die Beachtung der Hygieneregeln bald zu einer deutlichen Besserung der Lage in unserer Region.

Karl-Heinz Ostheimer                                   Frank Wissel
Kreisbrandrat                                                1. Vors. KFV AB


112 Newsletter vom 11. März 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

beginnen möchte ich auch heute mit den wesentlichen Kerndaten der aktuellen Pandemielage. Heute, Donnerstag, 11. März 2021, 08:00 Uhr, verzeichnen wir in Bayern insgesamt 452.078 bestätigte COVID-19-Infektionen. Im Vergleich zum Donnerstag der letzten Woche, bis zu dem 441.606 Infektionen gezählt worden waren, sind dies 10.472 Fälle mehr. Für die zurückliegenden sieben Tage ergibt sich daraus ein rechnerischer Schnitt von ca. 1.496 Neuinfektionen. Für die vorangegangenen Wochen lagen die Vergleichswerte bei 1.320 1.104, 1.093, 1.263, 1.646, 1.909, 2.366, 3.265, 3.143, 3.203, 3.912, 4.172, 3.638, 3.475, 3.606, 3.432, 3.597, 2.918, 2.153, 1.243, 652 bzw. 372. Diese Zahlen deuten auf eine Seitwärtsbewegung mit deutlicher werdender Anstiegstendenz an, zumal sich das in Bayern seit jeher im Ländervergleich intensive Testgeschehen nicht wesentlich verändert hat. Eine ähnliche Situation sehen wir auch bundesweit. Das Bundeslagebild weist im Schnitt 8.715 Neuinfektionen pro Tag aus, nach etwa 8.189, 7.725, 7.220, 8.290, 10.450, 12.900, 15.700, 21.000 und 17.000 in den Vorwochen.

Nun zum Ländervergleich. Bayern liegt heute mit einer 7-Tage-Inzidenz von 77 – Vorwochen 68, 58, 55,3, 63,6 und 83,1 – auf Platz 4. Das ist eine unerfreuliche Entwicklung. Die höchste 7-Tage-Inzidenz verzeichnet weiterhin Thüringen mit einem leider neuerlich verschlechterten Wert von 138. Den günstigsten Wert kann auch heute Schleswig-Holstein mit leicht verbesserten 46 verbuchen und der Durchschnittswert aller Bundesländer liegt bei 69 (65).

Schlüsselt man die 7-Tage-Inzidenz für Bayern nach Altersgruppen auf, dann springt sofort ins Auge, dass es nicht mehr, wie lange Zeit der Fall, die hohen Altersgruppen ab 60 Jahren aufwärts sind, die die Hauptlast tragen, sondern die „Jungen“. Die Kohorten zeigen folgende Einzelwerte: 15- bis 19-Jährige: 93; 20- bis 34-Jährige: 99; 35- bis 59-Jährige: 82; 60- bis 79-Jährige: 47; 80plus: 41. Dies lässt nicht nur den Rückschluss zu, dass das Impfen die Senioren weniger anfälliger macht, sondern auch, dass die jungen Menschen weniger vorsichtig geworden sind. Ein statistisches Kernelement ist die Positivrate, also die Zahl der laborpositiven Tests im Verhältnis zu deren Gesamtzahl. Die Positivrate lag in Bayern in den zurückliegenden Tagen zwischen 2,8 und 3,7 Prozent (Vorwoche: 3,0 und 3,8) bei aktuell etwas über 60.000 PCR-Tests im 7-Tages-Mittel. Diese Veränderung der Positivrate im Wochenvergleich liegt gerade noch in der üblichen Schwankungsbreite und hat sich im Vergleich zu den Vorwochen zumindest nicht verschlechtert.

Nun zu den Sterbefallzahlen. In Bayern sind an oder mit einer Corona-Infektion mittlerweile 12.740 Personen verstorben. Das sind im Vergleich zum vorigen Donnerstag 188 oder pro Tag 26,9 Fälle mehr, nach 39,1, 42,0, 73,7, 82,6, 111,7, 117,9, 125,1, 134,4 bzw. 107,7 in den Wochen davor. Das ist ein signifikanter Rückgang, der, wie immer deutlicher wird, seine Ursache in einem geradezu frappierenden Rückgang der COVID-Sterbefälle in der Altersgruppe 80plus und damit bei denen hat, die zuerst geimpft wurden.

Ein wie beim Infektionsgeschehen gleichfalls diffuser werdendes Bild sehen wir auch bei der Zahl der aktuell an COVID-19 erkrankten Personen. Das sind in Bayern heute 21.130 Personen (Donnerstage der Vorwochen 18.990, 18.460, 20.660, 26.030, 33.040, 38.670, 46.780, 53.900, 59.220, 63.550, 67.710, 65.720, 60.300, 58.600, 56.840, 52.970, 45.780, 34.420, bzw. 23.100) und damit im Vergleich zu letztem Donnerstag leider „satte“ 2.140 mehr.

Zu diesem Befund passt auch weiterhin die aktuelle Entwicklung der Reproduktionszahl R. Diese gibt an, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er selbst gesundet oder verstirbt. R schwankt in den letzten Tagen zwischen 1,0 und 1,17. Das bedeutet, dass bei einer Fortsetzung dieses Effektes die absolute Zahl der Infizierten steigen wird. Demgegenüber stagnieren die Zahlen zu den hospitalisierten Patienten auf einem insgesamt deutlich abgesenkten Niveau. Stand heute liegen von den 21.130 COVID-Erkrankten 2.183 in einer Klinik (an den Donnerstagen der Vorwochen 2.314, 2.485, 2.648, 3.101, 3.556, 3.991, 4.231, 4.809, 5.363, 5.550, 5.276, 5.065, 4.663, 4.015, 3.730, 2.626, 2.243, 1.751, 1.072, 614, 328, 243, 213, 215 bzw. 166). Von diesen befinden sich 1.682 auf einer Normalstation und 501 (Vorwochen: 483, 508, 541, 622, 710, 762, 872, 937, 969, 902, 860, 791, 726, 683, 530, 491 bzw. 367) auf „Intensiv“. Bei aller Vorsicht deuten diese Zahlen darauf hin, dass aktuell mehr Menschen wieder an Corona erkranken, sich diese Zunahme aber zum Glück zumindest noch nicht in gleichem Maße bei den schweren Krankheitsverläufen widerspiegelt.

Lassen Sie uns nun noch kurz das Augenmerk auf das lokale Infektionsgeschehen richten. Es verwundert nicht, dass sich die in Bezug auf Gesamt-Bayern zu diagnostizierende Seitwärtsbewegung mit deutlicher werdender Anstiegstendenz auch in der Fläche abbildet. Allerdings geschieht dies nicht gleichmäßig, sondern regional durchaus unterschiedlich. Die gute Nachricht ist hierbei, dass am oberen Ende der Liste eine Stagnation eingetreten zu sein scheint. Das roundabout eine Zehntel der vor allem entlang der bayerisch-tschechischen Grenze liegender Gebietskörperschaften kommt zwar nach wie vor nicht entscheidend in den sehnlichst erwarteten Sinkflug, es geht aber entgegen dem Landestrend auch nicht weiter nach oben. Wurde letzte Woche für den Landkreis Wunsiedel eine 7-Tage-Inzidenz von 316,6 ermittelt, hält nun die Stadt Hof die rote Laterne mit einem Wert von 327. Allem Anschein nach rührt die gestiegene Landes-Inzidenz aus einer im unteren und mittleren Bereich ungünstiger werdenden Lage her. Die Zahl der Gebietskörperschaften mit einem Wert unter 35 ist binnen 14 Tagen von 25 auf 7 zurückgegangen und auch im Segment einer 7-Tage-Inzidenz unter 50 ist der Schwund eklatant – von 49 auf 22 Landkreise bzw. kreisfreie Städte. Am günstigsten liegt heute übrigens der Landkreis Kitzingen mit 14,7.

In der Zusammenschau aller Parameter zeigt sich ein immer komplexer wirkendes Lagebild, in das die seit Montag geltenden Lockerungen „hineingeboren“ wurden. Entscheidend wird sein, in wie weit unter dem Einfluss der Impfungen und einer Verschiebung der Infektionsfälle hin zu den jüngeren Altersgruppen, die vormals gültige Gleichung nicht mehr gilt, wonach eine sich erhöhende Infektionszahl automatisch ein proportionales Ansteigen der Krankheitsfälle, der schwer verlaufenden Krankheitsfälle, der Hospitalisierungen auch auf der Intensivstation und der Sterbefälle nach sich zieht. Denn ansteigende Infektionen sind umso leichter aushaltbar, wie die Fälle mit schweren Folgen beherrschbar bleiben.

Liebe Leserinnen und Leser, wie im Corona-Newsletter der letzten Woche angekündigt darf ich Ihnen heute einige zentrale Änderungen am aktuellen bayerischen Pandemierecht vorstellen, die mit der seit vergangenem Montag 00:00 Uhr in Kraft befindlichen 12. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (12. BayIfSMV) eingetreten sind. Letzten Donnerstag waren zwar die politischen Zielstellungen der Ministerpräsidentenkonferenz und des Ministerrates bekannt, aber naturgemäß noch nicht die rechtlich verbindlichen Normen, zumal der Landtag erst am Freitag beraten hat.

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, zahlreiche Einzelvorschriften der 12. BayIfSMV im Detail zu besprechen, zumal mittlerweile auch schon in größerer Zahl FAQ und sachdienliche Hinweise auf den Homepages des Gesundheits- und des Innenministeriums veröffentlicht sind. Deshalb will ich mich hier darauf konzentrieren, leitende Prinzipien sowie Kernaspekte herauszuarbeiten, die die in weiten Teilen neu gefasste Verordnung durchziehen.

Ein Kernaspekt betrifft die Frage, was die 12. BayIfSMV im Unterschied zu ihrer Vorgängerin nicht mehr regelt. Dies betrifft ganz zentral den „alten“ § 2, der mit „Allgemeine Ausgangsbeschränkung“ überschrieben war und ersatzlos entfallen ist. Mit diesem redaktionellen, vor allem aber systematischen Schnitt hat der Verordnungsgeber den Grundsatz aufgegeben, dass die Wohnung nur beim Vorliegen eines triftigen Grundes verlassen werden darf. Damit hat sich vormals ein geradezu ehernes Prinzip verbunden, das in einem 13 Punkte umfassenden, nicht abschließenden Beispielkatalog ausbuchstabiert war.

Nunmehr ist jeglicher Grund, die Wohnung zu verlassen, gleichermaßen legitim. Dieser Schritt ist beileibe nicht etwa nur Praktikabilitätsgesichtspunkten geschuldet, weil damit viele sattsam bekannte Abgrenzungsdiskussionen hinfällig geworden sind, etwa, ob die Fahrt mit einem Wohnmobil zum Übernachten in freier Natur einen „triftigen Grund“ darstellt, warum im Unterscheid zu einer Fahrt mit dem Motorrad zum Wandern eine rein touristische Spritztour mit dem Bike nicht zulässig war und vieles mehr. Dieser Schnitt ist vielmehr Ausdruck eines grundlegenden Systemwechsels.

Aus diesem kann nicht rückgeschlossen werden, die Gefahr sei jetzt komplett weg, und er bedeutet demzufolge auch keineswegs eine weitgehende Rückabwicklung der infektionsbekämpfenden Beschränkungen, ganz im Gegenteil: Der Unterschied liegt allein darin, dass nunmehr weniger ausdrücklich verboten ist, aber dafür die Menschen umso mehr gefordert sind, mit den dazugewonnenen Handlungsspielräumen in eigener Verantwortung vernünftig umzugehen und auch ohne den Anhalt einer gesetzlichen Maßgabe dafür zu sorgen, dass möglichst wenige Infektionen passieren.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das alle so schon verinnerlicht haben. Denn man kann gelegentlich bei Fernsehdiskussionen, persönlichen Gesprächen und Bürgerschreiben zu den Lockerungen den Eindruck gewinnen, diese gäbe es ohne Wenn und Aber, gleichsam bedingungslos. Das ist aber keinesfalls so und das macht auch in Fortschreibung der bisherigen Regelungslage § 1 der 12. IfSMV mehr als deutlich. Danach ist weiterhin jeder gehalten, physische Kontakte auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren, wo immer möglich den Mindestabstand einzuhalten und in geschlossenen Räumlichkeiten ist stets auf ausreichende Belüftung zu achten. Etwas plakativer formuliert sind das die sog. AHA-L-Regeln, die da lauten Abstand halten, Hygiene beachten, im Alltag Maske tragen und regelmäßig lüften. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass mit der Beachtung dieser Anforderungen die Chancen auf weitere Lockerungen stehen und fallen werden. Denn gerade die britische Mutation B.1.1.7. mit ihrer im Vergleich zur Wildform deutlich erhöhten Ansteckungsfähigkeit verlangt von uns allen Disziplin und pandemiegerechtes Verhalten. Setzen aber zu viele Menschen die aus guten Gründen vorsichtig gestalteten Lockerungen mit einem Freibrief gleich, werden die Infektionszahlen die Klinikkapazitäten neuerlich austesten. Dass es sich bei dieser Annahme nicht um eine rein theoretische Betrachtung ohne Bezug zur Lebenswirklichkeit, sondern um eine ernste Sache handelt, das legen die jüngsten Geschehnisse in Italien und Tschechien nahe. Denn auch in diesen Ländern grassiert nach politisch veranlassten Lockerungen, die die Menschen in Sorglosigkeit umgemünzt haben, B.1.1.7. mehr denn je und es musste dort das Ruder wieder herumgeworfen werden. Selbst in Österreich, wo zwischenzeitlich sehr viel getestet wird und die mit einem unvernünftigen Umgang mit den Lockerungen einhergehenden Schwierigkeiten umfangreich kommuniziert wurden, werden die Hospitalisierungen von Corona-Patienten in jüngster Zeit wieder deutlich mehr. Dort sind zudem auffällig mehr junge Menschen und „Mittelalter“ von einem so schweren Krankheitsverlauf betroffen, dass sie auf die Intensivstation müssen. Die Devise kann für uns also nur lauten: wachsam lockern und die Fehler der anderen vermeiden.

Vor diesem Hintergrund muss die 12. BayIfSMV einen regelungstechnischen Spagat leisten. Die Erwartungshaltung der Menschen ist nicht weniger, als dass im Ergebnis deutliche Lockerungen herauskommen, ohne dass sich die Pandemie verschlimmert. Die Betrachtung der Lage soll regional erfolgen, Entscheidungen sollen vor Ort fallen, die Maßgaben sollen dabei einfach, verständlich und am besten bundesweit, zumindest aber landesweit einheitlich sein. Es sollen weiterführende Perspektiven in Richtung Normalität gegeben und Planbarkeit für alle Beteiligten und Betroffenen geschaffen werden, aber natürlich muss die notwendige Flexibilität im System angelegt sein, um auf erhebliche Veränderungen der Lage in jede Richtung schnell reagieren zu können. Ja, und gerecht soll es auch noch zugehen, was das im Kontext einer Pandemie, die die Kategorie „Gerechtigkeit“ nicht kennt, auch immer heißen mag.

Die regelungstechnische Grundphilosophie der 12. BayIfSMV zeigt sich wie unter dem Vergrößerungsglas in § 3, der als Kernvorschrift alle zentralen Verfahrensschritte vor die Klammer zieht und so die themenspezifischen Regelungen vom Sport bis zum Handel lenkt.

Dem Prinzip der regionalen Betrachtung trägt die Verordnung dadurch Rechnung, dass zahlreiche Maßgaben an die individuelle 7-Tage-Inzidenz der 96 Landkreise bzw. kreisfreien Städte, nicht aber an bezirks- oder landesweite Parameter gebunden werden. Die maßgeblichen Prüfsteine, ob kräftig, moderat oder gar nicht gelockert werden kann bzw. bei einer sich verschlechternden Lage die Zügel leider wieder angezogen werden müssen, hat der bayerische Verordnungsgeber entsprechend der Absprache in der MPK bei 7-Tage-Inzidenzwerten von 50 (im Falle der Kontaktbeschränkungen gilt nicht 50, sondern 35) und 100 gesetzt. Hieraus ergeben sich drei Cluster, nämlich bis 50 (35), über 50 bis 100, über 100. Um Verzerrungen durch Momentaufnahmen zu vermeiden, muss einem Wechsel in ein anderes Cluster ein regelmäßig drei Tage andauerndes Über- oder Unterschreiten eines Grenzwertes vorausgehen. Alles dies legt § 3 an und findet sich an insgesamt 25 Stellen im gesamten Verordnungstext.

Um in die neue Systematik einen geordneten, klaren und für alle methodisch gleichen Einstieg zum selben Zeitpunkt zu finden, hat in einem ersten Schritt das Gesundheitsministerium die Startposition aller 96 großen Gebietskörperschaften definiert und per Bekanntmachung mit Wirkung zum 8. März 2021 verbindlich geregelt. Die Grundlage für die erste „namentliche“ Zuordnung aller Landkreise und kreisfreien Städte zu einer der drei Kategorien haben die am
7. März vom RKI jeweils errechneten 7-Tage-Inzidenz-Werte geliefert.

Seit vergangenem Montag ist es am jeweiligen Landkreis- bzw. Stadtoberhaupt, die täglich vom RKI herausgegebenen Inzidenzwerte genau zu beobachten und darauf zu überprüfen, ob drei Tage in Folge einer der genannten Grenzwerte über- oder unterschritten wurde. Ist dies der Fall, muss unverzüglich gehandelt werden. Das bedeutet in Kern, den Kategoriewechsel unverzüglich amtlich bekannt zu machen und hierbei den Menschen in der betreffenden Gebietskörperschaft bekanntzugeben, was das im Konkreten etwa für den Zugang zum Einzelhandel, die Sportausübung oder die Beachtlichkeit nächtlicher Ausgangssperren – ja diese gibt es nach wie vor, sobald die Inzidenz von 100 nachhaltig überschritten ist – bedeutet. Damit sich die Leute vor Ort darauf einstellen können, läuft mit der Bekanntmachung grundsätzlich eine Karenzzeit von zwei Tagen an, ehe die neuen Regeln wirksam werden. Auch wenn es dem einen Oberbürgermeister oder der anderen Landrätin schwerfallen mag, faktisch eine neuerliche Verschärfung von Maßnahmen anzuordnen, so haben die Behördenspitzen keine Wahl. Die Bekanntgabe kann nicht irgendwann, sondern muss unverzüglich erfolgen, mithin sobald das RKI die Kennzahl veröffentlicht hat. Und nachdem dieses an sieben Tagen die Woche liefert, muss eine jede Kreisverwaltungsbehörde auch an sieben Tagen die Woche agieren, ggf. also auch an Samstagen, Sonn- und Feiertagen. Insoweit haben die Verantwortlichen nur äußerst begrenzte zeitliche und materielle Beurteilungsspielräume und ein Hinausschieben des Handelns nach dem Motto. jetzt schauen wir mal, was am vierten, fünften oder sechsten Tag passiert. und dann sehen wir es schon, ob wir was machen, und wenn ja, was, ginge gar nicht.

Besonders gefordert sind Landräte und Oberbürgermeister auch im Zusammenhang mit einer unverändert gebliebenen Vorschrift. So regelt § 16 der 12. BayIfSMV, dass die zuständigen Kreisverwaltungsbehörden im Einzelfall für Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe, die mindestens 50 Personen beschäftigen, die in Sammelunterkünften oder in betriebseigenen oder angemieteten Unterkünften untergebracht sind, die aus infektionsschutzrechtlicher Sicht erforderlichen Schutz- und Hygienemaßnahmen anordnen. Um diese Jahreszeit betrifft dies vor allem Gartenbau- und Landwirtschaftsbetriebe, die in größerem Umfang sog. Saisonkräfte beschäftigen. Deren Hauptsaison beginnt regelmäßig mit der Spargelzeit und endet im Herbst in den Weinbergen. Leider waren während der ersten Welle der Pandemie derlei Betriebe immer wieder zu Corona-Hotspots geworden, weil gerade in den Unterkünften oft genug zu viele Menschen unter ungünstigen hygienischen Bedingungen auf zu engem Raum gelebt hatten und die AHA-Regeln nicht beachtet wurden.

Das darf heuer nicht noch einmal passieren. Deshalb bin ich mit meinen Kolleginnen Landwirtschaftsministerin Kaniber, Arbeitsministerin Trautner sowie mit Gesundheitsminister Holetschek einig, dass es an der Zeit ist, vorbeugend zu handeln. Dies heißt, den Betrieben jetzt rechtssicher und verbindlich die notwendigen Vorgaben zu machen und die erforderlichen Anordnungen zu treffen. Natürlich müssen diese dann auch im praktischen Vollzug konsequent kontrolliert werden, denn nur so kann festgestellt werden, ob die Wohnverhältnisse tatsächlich den maßgeblichen Standards genügen und ob die Betreiber, die für die Einhaltung der Schutz- und Hygienemaßnahmen verantwortlich sind, dies auch regelmäßig überprüfen und dokumentieren. Hilfreich ist in diesem Kontext die am 8. März 2021 vom Gesundheitsministerium veröffentlichte Allgemeinverfügung, mit der das bestehende Regelwerk in Bezug auf Anzeige- und Meldepflichten präzisiert wird.

Zum Abschluss dieses Newsletters darf ich Ihnen noch einen kurzen Überblick zum Stand der über die ca. 100 bayerischen Impfzentren laufenden Impfkampagne geben. Auch wenn es momentan gerade in Mode zu sein scheint, alles Erreichte klein oder gar schlecht zu reden, und auch wenn man natürlich gerade in der Rückschau betrachtet stets alles noch etwas besser hätte machen können, so führt der Blick auf die Fakten doch zu einem deutlich differenzierteren Bild als „alles ist totaler Mist“. Denn man muss sich zunächst vergegenwärtigen, dass es auf den Tag genau erst ein Jahr her ist, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO die Pandemie ausgerufen hat. Nach einem Jahr haben wir in Bayern, Deutschland und Europa drei hochwirksame Impfstoffe im Einsatz, ein vierter, der von Johnson&Johnson hat heute von der EU-Arzneimittelbehörde EMA die Zulassung erhalten. Dieser hat zudem den Vorteil, dass eine Impfung reicht, um den vollen Schutz zu bewirken.

Wir haben in Bayern mit einem enormen logistischen, personellen und vor allem herausragenden persönlichen Aufwand der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort, die in der Regel von den Landratsämtern, den Verwaltungen der kreisfreien Städte sowie den Regierungen kommen, in Windeseile über 100 regionale Impfzentren aus dem Boden gestampft und in Betrieb genommen. Diese impfen, was die Impfstofflieferungen ermöglichen und die Kanülen hergeben. Es ist deshalb nicht nur faktisch falsch, sondern auch unfair gegenüber den an sieben Tagen in der Woche als mobile Teams oder in den Zentren impfenden Ärzten, medizinischen Helfern und dem eingesetzten Verwaltungspersonal, wenn Verbandsvertreter, deren Hilfe in der ersten Welle oft schmerzlich vermisst wurde, nun den Eindruck erwecken, die Impfzentren könnten nicht so gut impfen und sie selbst könnten es viel besser. Ich bin jedenfalls gespannt, ob es auch in Zukunft allein die Impfzentren sein werden, die an Samstagen, Sonn- und Feiertagen den Impfstoff flächendeckend unter die Leute bringen. Nach allem, was sich derzeit andeutet, bleiben die Impfzentren auch über den April hinaus in Bayern die Träger einer gewissen Impf-Grundlast. Diese müsste mit den bestehenden Kapazitäten weitgehend zu stemmen sein. An die niedergelassenen Ärzte würden dann ab Anfang April die überschießenden und hoffentlich bald auch stark aufwachsenden Impfstoffmengen gehen.

Stand heute Früh waren in Bayern jedenfalls bereits knapp 1,46 Millionen Dosen injiziert und wohl im Laufe des heutigen Tages wurde die millionste Erstimpfung vorgenommen (gestern: 990.314). 467.000 Menschen hatten gestern auch schon die zweite Impfung erhalten und besitzen damit den vollen Impfschutz. In das Registrierungssystem BayIMCO haben sich bis dato ca. 2,8 Mio. Menschen eingetragen. Und nachdem es immer wieder Meldungen gibt, wonach beispielweise 80-Jährige immer noch keinen Termin haben, während jüngere schon geimpft seien, kann ich nur an Sie, die Sie sich vielleicht um ältere Angehörige, Nachbarn oder Freunde kümmern, appellieren, gerade die noch nicht registrierten Menschen aus den Zielgruppen 1 und 2 zu ermuntern, sich schnell vormerken und sich bei Bedarf dabei helfen zu lassen. Denn diese Menschen haben aus ihrer Vulnerabilität heraus Vorrang. Zuwarten bringt keinen Vorteil und wenn erst einmal die Massenimpfungen laufen, dann wird es nicht mehr so leicht sein, im Eifer des Gefechts den Priorisierten zu ihrem Recht zu verhelfen.

Wir machen uns ein bisschen lockerer und bleiben umso wachsamer!

Mit besten Grüßen
Ihr


Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister