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112 Newsletter vom 09. Juni 2020

Liebe Leserinnen und Leser, 

natürlich steht auch am Beginn des heutigen Updates der kurze statistische Überblick zur Corona-Lage in Bayern. Stand heute, Dienstag, 10:00 Uhr, haben wir 47.452 bestätigte Corona-Infektionen zu verzeichnen. Das ist im Vergleich zum Vortag 50 Fälle mehr oder 0,1 Prozent.

Nun zur Kategorie der Genesenen. Wieder genesen sind amtlich ausgewiesen 43.760 Personen oder 70 mehr als gestern (+ 0,2 Prozent).

Die Zahl der COVID-Erkrankten beläuft sich heute in Bayern auf 1.170, das sind 40 weniger als gestern. Bezogen auf 100.000 Einwohner sind damit statistisch betrachtet weiterhin 9 Personen entsprechend betroffen.

An bzw. mit einer Corona-Infektion verstorben sind mittlerweile 2.519 Personen. Das sind im Vergleich zu gestern 18 Fälle mehr oder + 0,7 Prozent.

Die über sieben Tage statistisch geglättete Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt, bemisst sich entsprechend der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts (RKI) für Bayern heute auf R=0,76 (gestern ebenfalls R=0,76). Die allein auf den Tag abstellende Reproduktionszahl liegt heute bei R=0,84 (gestern R=0,58).

Auch heute darf ich Ihnen eine Einschätzung zu den 7-Tage-Inzidenzen für die Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns mitteilen, illustrieren doch diese Werte, ob, und wenn ja, wo es Hotspots gibt. Und auch heute lautet die gute Nachricht: Wir haben aktuell in Bayern auch weiterhin keine Hotspots mehr. Nach wie vor befinden sich alle Landkreise und kreisfreien Städte im „grünen Bereich“. Von den insgesamt 96 Gebietskörperschaften sind in der Übersichtskarte des Gesundheitsministeriums drei Landkreise und drei kreisfreie Städte hellgrün eingefärbt, was eine 7-Tage-Inzidenz von 10-34 Fällen auf 100.000 Einwohner anzeigt. Alle anderen erscheinen in der Darstellung dunkelgrün, das entspricht einem Wert von 0-9 Fällen auf 100.000 Einwohner. Innerhalb dieses Segments hatten in den letzten sieben Tagen 33 Gebietskörperschaften gar keinen Fall einer Neuinfektion zu verzeichnen, bei den 57 weiteren liegt der Wert der 7-Tage-Inzidenz zwischen 0,1 und 9, davon bei acht lediglich zwischen 0,1 und 1.

Auch im bundesweiten Vergleich bessert sich die bayerische Situation zusehends. Denn unter den bundesweiten Top Ten sind aktuell nur mehr zwei bayerische Gebietskörperschaften vertreten. An der Spitze liegt weiter die Stadt Bremerhaven mit einer 7-Tage-Inzidenz von 44, mithin aber auch unterhalb der bundesweiten Meldeschwelle, die bei 50 liegt.

Die positive Situation bei den Neuinfektionen bildet sich nicht nur bei der Zahl der Erkrankten, sondern auch bei der Zahl der schwer erkrankten Patientinnen und Patienten ab. Heute sind von diesen nur mehr 107 auf ein Intensivbett mit künstlicher Beatmung angewiesen und ich bin hoffnungsfroh, dass wir bis spätestens nächste Woche in den zweistelligen Bereich kommen werden.

Heute habe ich gemeinsam mit Staatssekretär Gerhard Eck der Stiftung Juliusspital Würzburg einen Besuch abgestattet. Die Stiftung, deren Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, ist im Raum Unterfranken Eigentümerin von über 3300 Hektar Wald, rund 1100 Hektar landwirtschaftlicher Güter und 177 Hektar Weinberge. Letztere machen „das Juliusspital“ zum zweitgrößten Weingut Deutschlands, in dem ausgesprochen edle Tropfen angebaut werden. Aus den Erlösen dieser Besitzungen unterhält die Stiftung Juliusspital ein Krankenhaus sowie ein Senioren- und Pflegestift. Die Stiftung Juliusspital und das Innenministerium verbindet ein besonderes rechtliches Band, denn zu den Zuständigkeiten des Innenministeriums gehört auch die Stiftungsaufsicht und insoweit übt es über die gemeinnützige Stiftung Juliusspital die Rechtsaufsicht aus. Vor diesem Hintergrund habe ich mich heute aus erster Hand durch die Leitung der Stiftung über deren Lage und die Situation der einzelnen Einrichtungen gerade in Zeiten der Corona-Pandemie informieren lassen.

Für mich war es bewegend zu sehen, wie zeitlos aktuell der Auftrag der Stiftung bis heute ist. Diese wurde im 16. Jahrhundert aus der Erkenntnis heraus errichtet, dass auch und gerade in Zeiten mit einem großen Infektionsgeschehen die Menschen der bestmöglichen medizinischen Versorgung bedürfen. In der Folge wurde damals die „an Großartigkeit der Anlage alle anderen Hospitäler Deutschlands übertreffende“ [Sticker, 1932] Anlage errichtet. Diesem Anspruch bis heute folgend bietet die Stiftung Spitzenmedizin und pflegerische Spitzenversorgung und will diesen Standard auch in Zukunft halten, u.a. durch einen geplanten Neubau, ein Projekt, das Kollege Eck und ich nachdrücklich unterstützen.

Es hat mich sehr beeindruckt, wie stark die Corona-Pandemie den Betrieb der Einrichtungen des Juliusspitals in den letzten Wochen und Monaten geprägt hat und immer noch prägt. Gleichsam auf Schritt und Tritt des Rundgangs war das Stichwort Corona präsent.

So im Krankenhaus Juliusspital, einer Klinik der überörtlichen Schwerpunktversorgung. Auf dieser ersten Station der Besichtigung haben mich die Schilderungen besonders beeindruckt, wie sehr gerade in der ersten Phase die Behandlung des mit COVID-19 einhergehenden und bis dahin in dieser Form weitgehend unbekannten Krankheitsbildes das ärztliche und das pflegende Personal insbesondere auf der Intensivstation des akademischen Lehrkrankenhauses der Uni Würzburg gefordert hat. Mit Händen zu greifen war die Sorge, nicht genügend helfen zu können. Aber mit höchstem Engagement und mit unbändigem Willen ist auch in Würzburg mit Höchstdruck daran gearbeitet und geforscht worden, das Virus viel besser zu verstehen, um ihm so schnell wie möglich wirksam Paroli bieten zu können. Eine Spur mehr von dieser beispielgebenden Ernsthaftigkeit der Ärztinnen und Ärzte, der Krankenschwestern und Krankenpfleger, die das Grauen unmittelbar erlebt haben, würde ich mir für den ein oder anderen Menschen wünschen, die gelegentlich recht leichtfertig mit ihrem Urteil bei der Hand sind. Die sich über vermeintliche Realitätsferne notwendiger Hygieneauflagen beklagen und von persönlicher Frustration sprechen, weil sie ihren Willen nicht auf Anhieb bekommen.

Wie in zahlreichen anderen Kliniken in Bayern wurden auch im Klinikum Juliusspital erhebliche Kapazitäten freigeräumt, um bei einem noch deutlich stärkeren Anschwellen der Corona-Welle, als wir es erleben mussten, genügend Betten für Akuterkrankte verfügbar zu haben. Zum Glück hat sich die Lage sehr zum Positiven entwickelt. Angesichts der sehr günstigen Zahlen bei den Neuinfektionen wie bei den Corona-bedingten Fällen einer erforderlichen künstlichen Beatmung bin ich ausdrücklich dafür, die auf Reserve frei gehaltenen Betten weiter zu reduzieren und gerade in Kliniken der Spitzenversorgung, wie es das Juliusspital ist, jetzt weitgehend zum Normalbetrieb zurückzukehren.

Nicht minder beeindruckend war der Gedankenaustausch zur Situation in den Alten- und Pflegeheimen. Vielfach hatten sich in derlei Einrichtungen Corona-Hotspots entwickelt. Dort waren auch deshalb viele Todesfälle zu beklagen, weil viele besonders vulnerable Personen auf engstem Raum zusammenleben. Deshalb war es wichtig und richtig, weitreichende Besuchsverbote zu erlassen, um die besonders gefährdeten alten und kranken Menschen vor einer Ansteckung mit COVID-19 zu schützen. Eine solche hätte für viele alte und stark vorerkrankte Menschen das Todesurteil bedeuten können. Mir ist aber auch bewusst, dass die Reduzierung der familiären Sozialkontakte von Pflegeheimbewohnern auf eine einzelne Person gerade für hoch betagte bzw. demente Menschen eine besondere seelische Belastung darstellt. Ich bin deshalb der Ansicht, dass in Anbetracht der guten Lage bei den Neuinfektionen der Kreis zulässiger Kontaktpersonen moderat ausgeweitet werden kann. Hierfür werde ich mich im Ministerrat einsetzen.

Durch das, was ich heute in Würzburg erfahren habe, fühle ich mich im Nachhinein stark bestätigt in meinem Bemühen, von Anfang an dafür zu sorgen, dass Hospize und Palliativstationen nicht als Pflegeinrichtungen, sondern als Einrichtungen eigener Art zu bewerten sind und deshalb dort die Besuchsbeschränkungen für Alten- und Pflegeheime nicht gelten. In den Hospizen und den Palliativstationen, wie sie auch das Juliusspital betreibt, dürfen mehrere enge Angehörige die Bewohner auch dann besuchen, wenn sie noch nicht unmittelbar im Sterben liegen.

Ich danke allen sehr herzlich, die heute an der Durchführung meines Besuches beim Juliusspital mitgewirkt haben. Vor allem will ich aber stellvertretend am Beispiel der Klinik und der anderen sozial-caritativen Einrichtungen der Stiftung einmal mehr allen von Herzen danken, die, jeder an seinem und jede an ihrem Platz dafür kämpfen, dass auch und gerade in Zeiten der Corona-Pandemie Kranke wieder gesund werden, Pflegebedürftige in Würde leben und Sterbende ohne unnötige Qualen und in Würde heimgehen dürfen.

Mit besten Grüßen Ihr Joachim Herrmann, MdL Staatsminister