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112 Newsletter vom 11. Juni 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

natürlich steht auch am Beginn dieser Fronleichnamsausgabe des Newsletter-Updates der kurze statistische Überblick zur Corona-Lage in Bayern. Stand heute, Donnerstag, 10:00 Uhr, haben wir 47.539 bestätigte Corona-Infektionen zu verzeichnen. Das ist im Vergleich zum Vortag 43 Fälle mehr oder 0,1 Prozent.

Wieder genesen sind amtlich ausgewiesen 43.960 Personen oder 80 mehr als gestern (+ 0,3 Prozent).

Die Zahl der aktuell COVID-Erkrankten beläuft sich heute in Bayern auf 1.050, das sind 40 weniger als gestern. Bezogen auf 100.000 Einwohner sind damit statistisch betrachtet noch 8 Personen entsprechend betroffen (gestern ebenfalls 8).

An bzw. mit einer Corona-Infektion verstorben sind mittlerweile 2.532 Personen. Das sind im Vergleich zu gestern 5 Fälle mehr oder + 0,2 Prozent.

Damit zeigen sich die Neuinfektionen und die Letalität als die Kernkenngrößen des Corona-bedingten Infektionsgeschehens weiterhin stabil auf einem sehr niedrigen Niveau.

Die über sieben Tage statistisch geglättete Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt, bemisst sich entsprechend der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts (RKI) für Bayern heute auf R=0,73 (gestern R=0,76). Die allein auf den Tag abstellende Reproduktionszahl liegt heute bei R=0,78 (gestern R=1,03).

Auch heute darf ich Ihnen eine Einschätzung zu den 7-Tage-Inzidenzen für die Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns mitteilen, illustrieren doch diese Werte, ob, und wenn ja, wo es Hotspots gibt.

Im Vergleich zur Situation in den letzten Tagen stellt sich das Bild heute verändert dar. Denn hatten wir die letzten Tage keine Hotspots zu verzeichnen, ja noch nicht einmal Gebietskörperschaften der mittleren Ebene mit einem Wert jenseits der Vorwarnstufe von 35, so trifft dieses sehr positive Bild heute leider nicht mehr ganz zu. Denn für den Landkreis Aichach-Friedberg liegt die 7-Tage-Inzidenz bezogen auf 100.000 Einwohner heute bei 56,1 und damit sogar jenseits der bundesweit einheitlichen Meldeschwelle von 50, die zur Aktivierung eines Notfallkonzeptes führt.

Zu diesem gehört zu aller erst eine fundierte Beurteilung der Lage. Und diese ergibt für die Situation im Landkreis Aichach-Friedberg, dass die Infektionen, die zu dem rasanten Anstieg bei der 7-Tage-Inzidenz von Null auf 56,1 binnen dreier Tage geführt haben, allesamt einem Gartenbaubetrieb zuzuordnen sind, bei dem eine größere Zahl von osteuropäischen Erntehelfern arbeiten und wohnen. Ausgehend von zunächst zwei Saisonkräften, die positiv getestet wurden, haben sofort angeordnete Reihentestungen bei insgesamt 53 weiteren, allesamt symptomlosen Personen eine Infektion mit COVID-19 ergeben. Wie die Infektion in den Betrieb gekommen ist, kann noch nicht gesagt werden. Nach allem, was wir bisher wissen, befinden sich praktisch alle Saisonarbeitskräfte bereits länger als die üblicherweise als Inkubationszeit anzunehmenden 14 Tage im Betrieb.

Es kann gut sein, dass zusätzliche Tests, die zwischenzeitlich bei weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Gemüsebaubetriebs vorgenommen wurden, neuerlich positive Ergebnisse bringen werden. Das ist aber alles solange für den derzeit im Übrigen COVID-freien Gesamtlandkreis Aichach-Friedberg kein größeres Problem, wie der Infektionsherd auf den aktuellen Hotspot begrenzt werden kann. Hierfür stehen die Chancen sehr gut. Eine Task Force des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ist vor Ort und unterstützt das örtlich zuständige Gesundheitsamt. Der Betrieb steht unter Quarantäne und die infizierten wurden von den negativ getesteten Personen konsequent separiert.

Abgesehen von Aichach-Friedberg ist die Lage in Bezug auf die 7-Tage-Inzidenzen in Bayern weiterhin sehr günstig. Nach wie vor befinden sich alle anderen Landkreise und kreisfreien Städte im „grünen Bereich“. Von den insgesamt 96 Gebietskörperschaften sind in der Übersichtskarte des Gesundheitsministeriums weiterhin drei Landkreise und drei kreisfreie Städte hellgrün eingefärbt, was eine 7-Tage-Inzidenz von 10-34 Fällen auf 100.000 Einwohner anzeigt. Die übrigen 89 erscheinen in der Darstellung dunkelgrün, das entspricht einem Wert von 0-9 Fällen auf 100.000 Einwohner.

In Bayern ist wie in fünf anderen vornehmlich katholisch geprägten Bundesländern heute an Fronleichnam ein gesetzlicher Feiertag. Fronleichnam ist ein Hochfest im katholischen Jahreskreis und es ist ein sog. „Ideenfest“. Im Unterschied zu anderen Hochfesten, die bestimmte Stationen im Leben Jesu Christi zum Gegenstand haben – beispielsweise Weihnachten die Geburt und Ostern den Tod und die Auferstehung – hat Fronleichnam die fortwährende Gegenwart Jesu im Sakrament des Abendmahls zum Gegenstand und ist aus der „Idee“ der stetigen Anwesenheit Gottes für gläubige Menschen ein Fest der Freude.

Entsprechend feierlich werden üblicherweise vielerorts mit Chorgesang und Blasmusikbegleitung die oft unter freiem Himmel stattfindenden Gottesdienste gestaltet. Geradezu farbenfroh zeigen sich die Prozessionen, die in aller Regel im Anschluss an den Gottesdienst stattfinden. Meist unter Beteiligung zahlreicher Ortsvereine ziehen der Geistliche mit dem Allerheiligsten unter einem Baldachin und die Gläubigen durch die mit Blumen und frischen Birkenzweigen geschmückten und von der Polizei oder der Feuerwehr gesperrten Straßen des Ortes oder der Stadt. Der Zugweg ist stets in mehrere Abschnitte unterteilt, die jeweils an einem der vier extra errichteten Altäre enden, an denen der Geistliche dann eines der vier Evangelien vorliest oder singt.

All das macht in den katholischen Gegenden Frankens, Altbayerns und Schwabens in vielfältigster Weise Fronleichnam aus. Aber wie auch immer – stets gehen die Teilnehmer in Reih und Glied eng neben- und hintereinander her. Und in aller Regel stehen viele Einheimische, die selbst nicht mehr gut genug zu Fuß sind, um den ganzen Zugweg mitzugehen, am Wegesrand. Und oft genug säumen extra angereiste Zuschauer zahlreich die Straßen, um entsprechend der persönlichen Präferenz entweder mitzubeten und mitzusingen oder sich im Rahmen eines Feiertagsausfluges die festliche Prozession einfach nur anzuschauen.

Genau diese starke räumliche Nähe sehr vieler Menschen wurde im Corona-Jahr 2020 an Fronleichnam zum Problem. Denn unter pandemischen Gesichtspunkten sind die für Gottesdienste geltenden Einschränkungen noch nicht verzichtbar. Deshalb muss bei Gottesdiensten in Kirchen der Mindestabstand gehalten werden – zwei Meter zwischen besetzten Plätzen, was etwa für den Münchner Liebfrauendom bedeutet, dass lediglich 70 Gläubige dem via Internet übertragenen Pontifikalamt unmittelbar im Kirchenschiff beiwohnen durften. In Bamberg waren es 80 persönlich Anwesende – kein Vergleich zur feierlichen Atmosphäre, die sonst im voll besetzten Dom schon aus der Nähe der Gläubigen und ihrem gemeinsamen Beten und Singen ganz automatisch entsteht.

An einem Festgottesdienst oder einer Prozession unter freiem Himmel hätten nach den geltenden Infektionsschutzvorschriften grundsätzlich lediglich 50 Personen teilnehmen dürfen, die zueinander einen Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten haben, sofern nicht die örtlichen Gesundheitsbehörden ausnahmsweise geringe Abweichungen bei der Höchstteilnehmerzahl zugelassen haben. So etwa in Würzburg, wo auf dem riesigen Residenzplatz sieben räumlich stark voneinander getrennte und abgegrenzte Blöcke à 50 Sitzplätze gebildet werden konnten.

Vor Hintergrund der skizzierten Gesamtsituation haben die katholischen Bistümer Bayerns für heute die Fronleichnamsprozessionen abgesagt und fast alle Pfarrgemeinden haben dem entsprochen. 

Ich selbst habe wie schon in den letzten Jahren auch heute als Vertreter der Staatsregierung an den Fronleichnamsfeierlichkeiten im Münchner Liebfrauendom teilgenommen, wo der Erzbischof von München und Freising Reinhard Kardinal Marx einen Festgottesdienst zelebriert hat. Natürlich habe ich den Verzicht auf die feierliche Prozession durch die Straßen meiner Geburtsstadt München und vorbei an dem an diesem Tag traditionell mit frischen Birkenzweigen geschmückten Innenministerium als schmerzlich empfunden. Der Verzicht ist aber unabdingbar, weil er nötig ist, um gerade schwache, kranke und alte Menschen zu schützen. Es geht um gelebte christliche Nächstenliebe, die jeden Christen verpflichtet.

Die aktuellen Infektionszahlen stimmen mich zuversichtlich, dass es uns bald schon möglich sein wird, auch die derzeit für die Durchführung von Gottesdiensten und Zusammenkünften von Glaubensgemeinschaften geltenden Beschränkungen etwas zu lockern. Bis Hygienekonzepte und Mund-Nasen-Schutz ganz verzichtbar sein werden, wird es aber noch eine ganze Weile dauern.

Trotz dieser Aussichten wünsche ich Ihnen noch einen schönen restlichen Fronleichnamstag. Nächstes Jahr um diese Zeit haben wir sicherlich wieder eine Prozession in den Beinen und dürfen uns dann über eine normalisierte Situation freuen.

Mit besten Grüßen Ihr Joachim Herrmann, MdL Staatsminister