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112 Newsletter vom 14. Juni 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

natürlich steht auch am Beginn des heutigen sonntäglichen Updates der kurze statistische Überblick zur Corona-Lage in Bayern. Stand heute, 10:00 Uhr, haben wir 47.629 bestätigte Corona-Infektionen zu verzeichnen. Das sind im Vergleich zum Vortag 16 Fälle mehr oder 0,03 Prozent.

Wieder genesen sind amtlich ausgewiesen 44.200 Personen oder 60 mehr als gestern (+ 0,1 Prozent).

Die Zahl der aktuell COVID-19-Erkrankten beläuft sich heute in Bayern auf 890, das sind 50 weniger als gestern. Damit haben wir bereits drei Tage, nachdem die magische Grenze von 1.000 aktuell Erkrankten unterschritten wurde, auch die 900er-Grenze hinter uns gelassen. Bezogen auf 100.000 Einwohner sind damit statistisch betrachtet noch 7 Personen entsprechend betroffen (gestern waren dies ebenfalls 7).

An bzw. mit einer Corona-Infektion verstorben sind mittlerweile 2.537 Personen. Das ist im Vergleich zu gestern 1 Fall mehr oder + 0,04 Prozent.

Damit zeigen sich die Neuinfektionen und die Letalität – das ist die Quote der Zahl der Corona-bedingt Verstorbenen im Verhältnis zur Zahl der Erkrankten – als die aussagekräftigsten Kernkenngrößen des Corona-bedingten Infektionsgeschehens weiterhin stabil auf einem sehr niedrigen Niveau.

Die über sieben Tage statistisch geglättete Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt, bemisst sich entsprechend der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts (RKI) für Bayern heute auf R=1,09 (gestern R=1,07). Die allein auf den Tag abstellende Reproduktionszahl liegt heute bei R=1,05 (gestern R=1,07). Angesichts der extrem niedrigen Fallzahlen bei den Neuinfektionen zeigt die jeweils knapp über 1 liegende R-Zahl derzeit keine besorgniserregende Entwicklung an, sondern ist eher die Folge des Problems der kleinen Zahl, nach dem schon ein paar wenige Fälle mehr oder weniger in der Quote einen überdimensionierten statistischen Effekt bewirken können.

Auch heute darf ich Ihnen eine Einschätzung zu den 7-Tage-Inzidenzen für die Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns mitteilen, illustrieren doch diese Werte, ob, und wenn ja, wo es Hotspots gibt.

Wiederum liegt allein der Landkreis Aichach-Friedberg bei der 7-Tage-Inzidenz bezogen auf 100.000 Einwohner über der Meldemarke von 50, dies neuerlich mit einem Wert von 56,14. Dies begründet sich mit dem Infektionsgeschehen in einem Gartenbaubetrieb, bei dem es unter osteuropäischen Erntehelfern zu Ansteckungen gekommen ist. Die betroffenen Unterkünfte stehen unter Quarantäne. Eine Ausbreitung auf den restlichen Landkreis oder gar darüber hinaus ist derzeit nicht ersichtlich und die zuständigen Gesundheitsbehörden unternehmen alles, dass dies auch so bleibt.

Im Übrigen zeigt die graphische Darstellung der kreisfreien Städte und Landkreise in Bayern nur „grün“. Eine Stadt und ein Landkreis erscheinen in der Darstellung hellgrün, was für einen Wert zwischen 10 und 34 steht. Alle anderen 93 Gebietskörperschaften sind dunkelgrün gekennzeichnet. Der korrespondierenden Werte liegen zwischen 0 und 9.

Bei den verschiedensten Gelegenheiten habe ich immer wieder deutlich gemacht, wie wichtig es mir ist, den Menschen belastbare Informationen zu COVID-19 und seinen Auswirkungen zu geben und stetig das Handeln der Staatsregierung zu erläutern. Deshalb gibt es u.a. dieses tägliche Update.

Apropos Informationsbedarf und COVID-19. Ich weiß nicht, wie oft ich diese Bezeichnung in diesem Newsletter schon verwendet habe, und doch musste ich erst Mr. Google befragen, wofür sie steht. COVID ist ein Akronym und leitet sich vom englischen Begriff COronaVIrusDisease her. Und die Zahl „19“ steht für das Jahr 2019, das Jahr, in dem dieser spezielle Typus eines Virus aus der Familie der Corona-Viren erstmals aufgetreten ist und wissenschaftlich identifiziert wurde. Na, hätten Sie es gewusst? Unbedingt merken, mit diesem Wissen können Sie ganz sicher – wie schon mit dem speziellen Wissen aus dem Newsletter vom 2. Juni zu den FFP-Masken – bei der ersten NCP – Nach-Corona-Party – glänzen, wenn denn solche wieder erlaubt sein werden. Aber das nur nebenbei.

Es besteht also nach wie vor breiter Informationsbedarf, denn diese Pandemie und die aus ihr folgenden, teils tiefgreifenden Maßnahmen sind in ihrer Art für alle Bürgerinnen und Bürger aber auch die politischen Entscheidungsträger Neuland. Natürlich gab es auch in den letzten Jahrzehnten und somit in der Zeitspanne, die wir und unsere Zeitgenossen aktiv überblicken, immer wieder mal Viren-basierte Infektionskrankheiten, die um die Welt gegangen sind. Viele von Ihnen werden sich vielleicht noch an ein Infektionsgeschehen erinnern, das 2003/2004 unter der Bezeichnung SARS (Schweres akutes respiratorisches Syndrom) bekannt wurde. Ursache war – wie heute – ein aus der Familie der Corona-Viren stammendes Virus, das ebenfalls Menschenleben gekostet hat, das aber nicht annähernd so fatale Folgen hatte, wie das bei COVID-19 der Fall ist.

So etwas wie COVID-19 haben wir in Bayern, Deutschland und Europa im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht erlebt. Das macht vielen Menschen Angst, weil es sich um ein offenkundig gefährliches, neuartiges und damit unbekanntes und unheimlich wirkendes Geschehen handelt. Deshalb ist die Gefahr groß, dass unlautere Meinungsmacher versuchen, die Gunst der Stunde zu nutzen und Angst und Panik zu schüren und den Staat als hilflos oder falsch agierend erscheinen zu lassen. Das Auftreten unseriöser Trittbrettfahrer ist nicht neu. Ähnliches haben wir zuletzt auch bei der Flüchtlingskrise 2015 erlebt, als vielfach Ausländerfeindlichkeit und Rassismus geschürt wurden.  

Gelegentlich wird von interessierter Seite versucht, die Angst vor Corona und Ausländerfeindlichkeit miteinander zu verknüpfen, um so das Angst-, Hass- und Hetze-Potential noch zu steigern. Dann wird behauptet, von Asylbewerbern ginge eine besondere Gefahr für die „Einheimischen“ aus.

Umgekehrt wird aber auch verschiedentlich vorgebracht, eine Unterbringung von Asylbewerbern in ANKER-Zentren oder Gemeinschaftsunterkünften sei unmenschlich, da dies eine Infektion mit Corona geradezu provoziere und man würde die Menschen ins Verderben bringen, zumal eine zureichende medizinische Versorgung nicht gewährleistet sei.

Die klare Antwort auf beide Argumentationsstränge ist, dass sie unzutreffend sind. Um dies zu belegen, darf ich ein paar Fakten nennen.

Natürlich können sich Asylbewerber wie jeder andere Mensch auch mit dem Corona-Virus infizieren. Und natürlich hat es solche Fälle in Bayern auch gegeben und es gibt sie immer noch. Aktuell sind in Bayern noch 161 Asylbewerber mit Corona infiziert. Das ist im Verhältnis zu den knapp 89.000 Asylbewerbern und anerkannten Flüchtlingen, die als sog. „Fehlbeleger“ in Gemeinschaftsunterkünften wohnen, eine sehr geringe Quote von 0,18 Prozent. Man kann somit schon in Anbetracht dieser Zahlen keinesfalls sagen, dass „die Asylbewerber“ in Bezug auf Corona eine entscheidende Bedeutung für die Gesamtentwicklung der Pandemie in Bayern hätten.

Für die Unauffälligkeit des Geschehens in Asylbewerberunterkünften haben wir eine ganze Menge getan. Schon in einem sehr frühen Stadium der Pandemie haben die Fachbehörden Konzepte erarbeitet, um auch und gerade Asylbewerber vor einer Ansteckung zu schützen. Teil dieser Konzepte ist das Prinzip der Zugangstestung. Das heißt, dass in Bayern neu ankommende Asylbewerber gleichsam beim ersten Behördenkontakt auf Corona getestet werden. Sei es, dass Asylbewerber in Bayern erstmals deutsches Hoheitsgebiet erreichen und hier in das Verfahren kommen, oder sei es, dass Asylbewerber aus anderen Bundesländern im Rahmen der Umverteilung nach Bayern verlegt werden. Beides hat maßgeblich dazu beigetragen, dass auf diesem Weg kaum Infektionen eingetragen wurden.

Angesichts der aktuell sehr geringen Neuzugänge lebt die Mehrzahl der Asylbewerber schon längere Zeit in Bayern. Selbstverständlich gilt auch diesen Menschen unsere Sorge und so haben weitere Konzepte zum Gegenstand, wie innerhalb der bestehenden Belegung von Unterkünften ein Hotspot-Geschehen vermieden werden kann.

Das betrifft zum einen die bayernweite Steuerung der Belegung. In Bayern sind von den fast 89.000 Bewohnern der hier in Rede stehenden Unterkünfte aktuell 15.000 Personen in Wohnungen und über 38.000 Weitere in dezentralen Unterkünften der Landkreise bzw. kreisfreien Gemeinden untergebracht. In den Bayerischen ANKER-Einrichtungen befinden sich rund 6.800 Personen. Schon durch diese Verteilmechanismen ergibt sich eine Entzerrung bei der Verteilung der betreffenden Personen über Bayern und innerhalb der Regierungsbezirke.

Das betrifft zum anderen die Belegung innerhalb einer Unterkunft. Gerade im Zusammenhang mit den ANKER-Zentren wird immer wieder behauptet, große Unterkünfte mit hunderten von Bewohnern würden ein besonderes Infektionsrisiko bergen und es sei den Bewohnern unzumutbar, in derlei Einrichtungen leben zu müssen. Der so hergestellte Zusammenhang besteht aber in dieser Absolutheit nicht. Tatsächlich kommt es in Bezug auf die konkrete Dimension der Ansteckungsgefahr nicht auf absolute Zahlen der Belegung, sondern vielmehr darauf an, wie dicht die Belegung ist. Deshalb hat die Unterbringungsverwaltung schon sehr früh begonnen, zunächst nicht belegte Trakte und Gebäude zu aktivieren, um die Bewohner innerhalb einer Unterkunft lockerer zu verteilen. So ist es zum Beispiel in der größten Asylunterkunft Bayerns – der ANKER-Einrichtung Bamberg, in der aktuell über 1.100 Asylbewerber leben –, gelungen, dafür zu sorgen, dass von diesen derzeit kein einziger aktiv infiziert ist.

Neben der Herstellung einer lockeren Wohnsituation ist aber ebenso entscheidend, durch flankierende Maßnahmen Prävention zu betreiben und Risiken zu minimieren. So ist z.B. bei den Zimmern, die nicht über eigene Nasszellen verfügen, sichergestellt, dass nur kleine Gruppen sich einen Gemeinschaftssanitärbereich teilen. In den Gemeinschaftsunterkünften wird beispielsweise darauf geachtet, dass sich maximal 10 Personen ein Waschbecken, einen Duschplatz und einen Toilettenplatz teilen. Weiterhin haben die ANKER-Einrichtungen den großen Vorteil, dass sich auf deren Gelände ein Ärztezentrum befindet, welches bei der Abklärung von Verdachtsfällen bzw. bei der Versorgung von positiv Getesteten umgehend tätig werden kann.

Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch zu einem Infektionsgeschehen in einer Asylbewerberunterkunft kommen, dann gilt dasselbe, was auch für ein Hotspot-Geschehen in einem Unternehmen, einem Seniorenheim oder einem Wohnheim gilt: Es muss sofort entschlossen das Richtige getan werden. Hierfür sehen unsere Konzepte vor, dass die betroffene Unterkunft sofort unter Quarantäne zu stellen ist. Des Weiteren werden unverzüglich alle Bewohner sowie weitere bekannte Kontaktpersonen auf COVID-19 getestet. Infizierte Personen werden von den nicht infizierten getrennt und separat untergebracht, sodass es innerhalb der Unterkunft möglichst zu keinen weiteren Ansteckungsfällen kommt. Und natürlich erhalten alle Infizierten, die aktiv erkranken, die notwendige medizinische Behandlung, bis hin zu einem Beatmungsplatz auf einer Intensivstation.

Auch an dieser Stelle sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache. In Bayern haben wir unter Asylbewerbern bisher vier Corona-bedingte Sterbefälle zu beklagen. Setzt man diese Zahl ins Verhältnis zu den bereits genannten 89.000 Personen, dann ergibt sich statistisch eine Mortalität von 0,0045 Prozent. In Bezug auf die Gesamtbevölkerung gilt: von 13 Millionen Einwohnern Bayerns sind bisher 2.537 an Corona verstorben, das entspricht einer Mortalität von 0,02 Prozent, diese liegt also höher.

Und auch die Betrachtung der Einzelfälle gibt nicht den geringsten Anlass, auf eine mangelnde medizinische Versorgung von Asylbewerbern zu schließen. Drei der vier Verstorbenen litten neben Corona an einer gravierenden chronischen Vorerkrankung. Im Falle des vierten Verstorbenen verhielt es sich so, dass er zunächst wegen einer leichten Symptomatik vom ärztlichen Bereitschaftsdienst in eine Klinik eingewiesen werden sollte, der Betreffende dies aber ausdrücklich abgelehnt hat. Als sich nach eineinhalb Wochen der Krankheitsverlauf rapide verschlechtert hat, wurde der Betreffende sofort in eine Münchner Klinik gebracht, wo ihm allerdings nicht mehr geholfen werden konnte.     

Zusammenfassend darf ich also feststellen: Weder stellen Asylbewerberunterkünfte in Bayern für die Bewohner bzw. die Umgebung ein besonderes Risiko dar, noch mangelt es erkrankten Asylbewerberbern an der erforderlichen ärztlichen oder pflegerischen Betreuung. Wer Gegenteiliges behauptet, nimmt schlicht die Fakten nicht zur Kenntnis.

Lassen wir die Fakten sprechen!

Mit besten Grüßen Ihr Joachim Herrmann, MdL Staatsminister