Bei der Feuerwehr Kiel kam es am Donnerstagmittag, den 17. Oktober 2024 während einer Ausbildungseinheit für sechs Einsatzkräfte zu einem schweren Unfall mit einer Drehleiter. Bei dem Unfall wurden zwei Einsatzbeamte der Berufsfeuerwehr Kiel schwer verletzt.
Nach einer Meldung der Stadt Kiel ereignete sich der Unfall während der Ausbildung neuer Drehleitermaschinisten auf dem Gelände der feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Preetz im Landkreis Plön.
Zum Zeitpunkt des Unfalls befanden sich ein Drehleiterausbilder und ein Auszubildender im Korb der Drehleiter DLA K 23/12 (Magirus M32L-AS) Baujahr 2016.
Zum Zeitpunkt des Unfalls war die Drehleiter ausgefahren, der Korb befand sich in etwa 24 Metern Höhe. Aus bislang ungeklärter Ursache kam es zu einem schnellen, unkontrollierten und ungebremsten Einfahren der Drehleiter bis zum Endanschlag mit Abknicken des Korbes.
Ein Feuerwehrmann wurde aus dem Korb geschleudert, der andere verblieb verletzt im Korb hängen. Die angelegte Sicherung gegen ein Herausfallen (statisches System) hat für beide Feuerwehrleute offenbar Schlimmeres verhindert.
Neben dem Rettungsdienst des Kreises Plön flog der Rettungshubschrauber „Christoph 12“ den Einsatzort auf dem Gelände der FTZ an. Nach einer medizinischen Versorgung vor Ort wurden beide Feuerwehrmänner ins Krankenhaus gebracht. Lebensgefahr bestehe nach ersten Informationen nicht.
Beide Seile des Drehleiter-Aus- und Einzugssystems sind bei dem Unfall offenbar an mehreren Stellen gerissen.
Die Feuerwehr hat einen externen Sachverständigen mit Untersuchungen zum Unfallhergang beauftragt und eine eigene Ad Hoc Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung des Unfallhergangs eingerichtet. Die Firma Magirus wird zudem eigene Ursachenermittlungen durchführen.
Wir wünschen an dieser Stelle den beiden verletzten Feuerwehrleuten eine schnelle und vollständige Genesung.
Die Sicherung gegen Absturz, gegen ein Herausfallen aus dem Korb einer Drehleiter wird immer wieder kontrovers diskutiert. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat 2021 einen regulativen Rahmen für eine Absturzsicherung im Korb einer Drehleiter mit der FBFHB-029 "Absturzsicherung im Korb einer Drehleiter" veröffentlicht.
Download: FBFHB-029_Absturzsicherung_im_Korb_einer_Drehleiter.pdf
Wichtigste Regelung dabei ist: Das vollständig geschlossene Geländer des Korbes einer Drehleiter ist geeignet, um Personen gegen Absturz zu sichern. Ein Feuerwehr-Haltegurt kann als zusätzliche Maßnahme trotzdem zum Sichern an einem möglichst tief gelegenen Anschlagpunkt verwendet werden, um ein Hinausfallen über das Korbgeländer auszuschließen.
Zu diesem Grundsatz gibt es weitere wichtige Ergänzungen und auch Abweichungen, die in der DGUV-Veröffentlichung klar beschrieben sind. Mit diesem DGUV-Papier gibt es einen eindeutigen, für alle Einsatzkräfte nachvollziehbaren regulativen Rahmen, wann ein zusätzlicher Schutz mit besonderer persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) aus dem Drehleiterkorb genutzt werden muss und wann die Umwehrung / das geschlossene Geländer des Korbes, ggf. mit einem Haltegurt, ausreichend ist.
Auch der DFV-AGBF Fachausschuss Technik der deutschen Feuerwehren hat 2022 in einer Fachempfehlung das Thema "Absturzsicherung im Rettungskorb von Hubrettungsfahrzeugen" aufgegriffen.
Download: DFV-AGBF-Fachempfehlung_Absturzsicherung_Rettungskorb_02-2022.pdf
Wir bitten alle Feuerwehren an den Drehleiterstandorten in unserem Landkreis ihr Handlungsanweisungen für den sicheren Einsatz im Korb eines Hubrettungsfahrzeuges zu überprüfen und ihre Drehleitermannschaften aus gegebenem Anlass erneut zum Einsatz im Rettugnskorb zu informieren.
Wenn uns weitere Informationen zur genauen Unfallursache bekannt werden, informieren wir die Drehleiterstandorte.